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Serge Thion

Historische Wahrheit oder Politische Wahrheit?

Zweiter Teil

Kapitel IV

Der Unterricht als Trauerspiel

(Folge)

Der Zensor-Azubi läßt wird von Jean-Pierre Carasso zurechtgestutzt, womit die Diskussion offenbar abgeschlossen ist, denn darauf wagt niemand mehr zu antworten /47/:

Wenn der Antisemitismus schwitzt... atmet das gute Gewissen auf!

Es ist doch noch gar nicht lange her, daß Libération -- Prinzipiensache -- den Brief von Gabriel Cohn-Bendit veröffentlichte. Und siehe da: der hat gesessen! Das muß man -- selbst bei Libé -- erst mal fertigbringen. Sollte unser Genosse Pierre Guillaume -- dessen Konzept wir nicht vor jedem ersten besten Julien Brunn zu erläutern haben -- den geringsten Mißton im großen Holocaust-Heul-Konzert verursacht haben, -- unserem Märtyrer vom Dienst ist es nicht entgangen: die Entscheidung ist gefallen: es ist ein Antisemit. Abgebrüht, wie er ist, vergißt der Ankläger die üblichen Vorsichtsmaßregeln nicht: vielleicht handelt es sich um einen unbewußten Antisemiten. Aber -- verdammte Scheiße! -- jetzt muß einmal Schluß sein mit diesem -- ich weiß genau, was ich sage -- Terrorismus und dieser Erpressung!

Ich heiße Carasso und würde, wenn es meinem Vater 1941 nicht gelungen wäre, einen freundlichen Standesbeamten davon zu überzeugen, daß Levi der... islamische Vorname seines Vaters (!!!) sei, Levi-Carasso heißen. Genügt das den Rechtsgelehrten? Darf ich jetzt das Wort ergreifen?

Ich bin absolut für die Abschaffung des Judaismus (Hey, ihr Linguisten, übersetzt das mal bitte ins deutsche!) wie für die Abschaffung des Katholizismus, des Christentums, des Islams usw., die Naturreligionen eingeschlossen. Wenn ich in Le Monde (vom 8.3.) die Schlagzeile lese "Erneute Hinrichtungen Homosexueller im Iran", so sehe ich Adolf auf den Trümmern seines Bunkers triumphieren, und meine Abneigung gegen die Religion nimmt weiter zu. Wenn ich dann davon höre -- denn so verdorben, diese Clownerien auch noch persönlich zu verfolgen, bin ich nun auch wieder nicht --, daß Madame Veil erklärt, man könne das nicht mit den sowjetischen Lagern vergleichen, denn in diese kämen die Leute wegen ihrer Haltung, und tags darauf feststelle, daß der Antisemit Hersant (einer von der hartnäckigen Sorte, was man aber nicht sagen darf, denn er ist amnestiert!!!!) mit einer Titelzeile, die die ganze Seite einnimmt -- in einer Zeitung, die er sich illegalerweise angeeignet hat --, die Ausführungen der Ministerin für höchst berührend erklären läßt, dann meine ich, daß dem Einhalt geboten werden sollte, und sei es auch nur aus ästhetischen Gründen, das grenzenlose Durcheinander, das an die Stelle der Ideologie getreten ist und dem sterbenden Kapitalismus als Krücke dient, nicht gar so ins Auge fallen zu lassen (ja, ja, ich nehme meine Wünsche für die Wirklichkeit...).

Ich meine auch - ganz wie ein in England begraben liegender berühmter Antisemit (a) - : "Das wirkliche Gemeinwesen des Menschen ist der Mensch". Ich meine, wer auch immer sich der Herstellung dieses Gemeinwesens [im Orig. deutsch - d.Ü.] in den Weg stellt, spielt das Spiel meiner Feinde, und falls diejenigen Juden sein sollten, so werde ich, eben weil ich kein Antisemit bin und es auch nicht sein kann, nicht davor zurückschrecken, sie als Feinde zu bezeichnen.

Als der Baron Guy de Rothschild schrieb, er fühle sich in Israel fremd, haben ihn Beate und Serge Klarsfeld, die berühmten Nazi-Jäger (eine Beschäftigung, die viel mehr Spaß macht, als Robbenbabys zu jagen, nicht wahr?), dann auch zum Antisemiten erklärt? Beinahe... Jedenfalls hat er vor dem Gezeter, zu dem er naiverweise Anlaß gab, ziemlich schnell den Kopf eingezogen, der Baron!

So weit, so gut. Ich jedenfalls, der ich es erstrebenswert fände, mich nirgendwo fremd zu fühlen, erkläre, daß ich mich ganz klar überall auf dieser Erde, die sich zur Gänze in den Fängen eines üblen System befindet, das mir meine Existenz und meiner Menschlichkeit raubt, als ein Fremder vorkomme; und ich verlange, verstehen Sie mich recht, Herr Brunn, ich verlange für meine Freunde und mich das Recht, dies zu beklagen, ohne von jenen, die aus dem sogenannten Kampf für eine bessere Welt einen Beruf gemacht haben, mit dümmlichen Beleidigungen überschüttet zu werden.

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(a) Diejenigen, die glauben, die Cahiers Spartacus seien eine Schöpfung von La Vieille Taupe -- armer René Lefeuvre!--, werden bestimmt nicht Karl Marx darin erkannt haben... Dieser Brief ist von zehn Personen gelesen und gutgeheißen worden, die ihn eher noch "nicht hart, nicht beleidigend genug" fanden.

Zur gleichen Zeit lief bei Libération eine Diskussion hinter den Kulissen weiter. Eben als Julien Brunn seinen Aufsatz in die Redaktion brachte, übergab Pierre Guillaume ihm den Text des untenstehenden Briefes. Dieser offenbart verschiedene überraschende Aspekte der Affaire, insbesondere den Umstand, daß der Aufsatz "Was wissen die Franzosen über das Massaker von Sétif?" mit nicht unwesentlicher Beteiligung Faurissons verfaßt war. Womit die Hypothese, es handele sich bei Faurisson keineswegs um einen Verrückten eine Überlegung, die man bei Libération zu dieser Zeit vermutlich nicht anzustellen wagte , annehmbar wurde. Dieser Brief ist allerdings niemals veröffentlicht worden.

Dafür, daß Sie meinen Text freundlicherweise auf der Forumseite veröffentlicht haben, vielen Dank. Es ist ein wenig schade, daß Sie den von mir gewählten Titel "Ein Delirium dekonstruieren" oder "Der Schrecken: eine Gebrauchsanweisung" nicht beibehalten haben. Denn dieser Text hat eine Geschichte. Er ist noch unvollendet. Er faßt in sehr kurzer Form die klassischen Thesen der revolutionären Bewegung zum Krieg, zu Kriegspropaganda und Faschismus/Nationalsozialismus zusammen. Er ist aber nicht mit dieser Ruhe geschrieben worden, mit der die Gouvernanten des Bewußtseins die richtige Meinung verbreiten. Er ist in einer sehr konkreten, in hohem Maße tragischen Situation mit dem Ziel entstanden, einen gangbaren Ausweg aus dieser Lage zu finden.

Professor Faurisson bin ich Ende November begegnet. Ich habe einen Mann getroffen, der höchst verzweifelt und im Begriff war, sich in einem charakteristischen - wenn auch absolut erklärlichen - Verfolgungswahn endgültig von der Umwelt abzuschließen. Ich habe auch einen Mann getroffen, der seinen Gegenstand bis in alle Einzelheit studiert hatte (200 kg Dokumentation, das sind Auszüge aus mehreren Tonnen Text), dessen Arbeiten über diesen aber noch weit hinausführen, und zwar in der gleichen Richtung, wie das von La Vieille Taupe vertretene. (Wir teilen, kurz gesagt, seit 1970 im wesentlichen die Auffassungen Paul Rassiniers.)

Es gilt also, will man nicht eine erneute, kaum zu reparierende Katastrophe erleiden, folgenden Grundsätzen zu unbedingter Geltung zu verhelfen: 1. Das Recht auf Versuch und Irrtum für alle wissenschaftliche Arbeit. 2. das Recht, wahnsinnig zu sein; insoweit, als dieser Wahn anderen nicht konkret schadet, und zwar auch, wenn Faurisson ein Irrer, ein Antisemit oder ein Nazi sein sollte.

Welch glücklicher Zufall, daß er weder das eine noch das andere ist.

Gleichwohl widerstrebt es einer (in meinen Augen) weniger entschiedenen Fraktion bei La Vieille Taupe, ihr Schicksal an eine wie es scheint von vornherein verlorene Sache zu binden. Wobei sie vergessen, daß es nicht darum geht, Faurisson zu verteidigen, sondern unsere Grundsätze in der Praxis durchzusetzen.

Da mein eigenes Leistungsvermögen dafür nicht ausreicht, und insbesondere meine psychische Kraft nicht (auch ich war dem Zusammenbruch nahe), wird die Unterstützung der anderen -- und daher die allgemeine Zustimmung zu einem Text ohne Wenn und Aber und ohne Hintergedanken -- für die weitere Entwicklung ausschlaggebend sein.

In diesem Text sollte der berühmte Satz Aufnahme finden, mit welcher Faurisson sich auf eine nicht zu verteidigende Position zu begeben schien: "Hitler hat niemals die Hinrichtung auch nur eines einzigen Juden, allein, weil dieser Jude gewesen sei, angeordnet"; und es wurde gezeigt, daß dieser Satz absolut wahr ist, selbst wenn es Hitler vollkommen Wurst gewesen sein sollte, was mit den Juden real passierte.

Ich habe, indem ich Faurisson bewies, daß ich bereit sei, ihm bedingungslos zu folgen, ihm auch deutlich gemacht, daß wir an einem Punkt angekommen sind, an welchem ihm die menschliche Dimension seiner wissenschaftlichen Wahrheiten nicht mehr gleichgültig sein könne. Und darüber hinaus: daß es aller Welt zu beweisen gelte, daß Pierre Vidal-Naquet, der in Le Monde vom 21.2.1979 die Führung des gegen Faurisson gerichteten Kreuzzugs der Historiker übernahm, keineswegs ein Schurke ist, daß unsere Ziele, im Gegenteil, im Grunde übereinstimmen.

Dieser Text also wurde von La Vieille Taupe gelesen und für gut befunden. Anschließend wurde er von Faurisson gegengelesen, korrigiert (die Originalversion enthielt ungenügend gesicherte Zahlenangaben) und rückhaltlos bestätigt.

Auf diese Weise Unterstützung verspürend, begann Faurisson sich wieder angemessen zu ernähren; seine Bekundungen von Verfolgungswahn verschwanden vollkommen.

Es handelt sich bei dem von Ihnen veröffentlichten Text also um ein Gemeinschaftswerk Faurisson-La Vieille Taupe. Er bedeutet die praktische Bestätigung des Wiederauflebens revolutionärer Theorie in der Praxis: "Verwerfe im Namen dessen, was er an Falschem gesagt hat, niemals das, was in der Rede des Gegners richtig ist." "Jeder Mensch hat immer in gewisser Weise recht." ([Wilhelm] Reich, Einführung in die Funktion des Orgasmus, zit. aus dem Gedächtnis).

Es sind als die kleinen Wahrheiten über die man, diese verfolgend, zu den allgemeineren gelangt, indem das Störende nicht verdrängt und (politische) Kompromisse geschlossen werden. Ich hoffe, Sie mit der Herausarbeitung meiner strengen Grundsätze nicht allzu sehr belästigt zu haben.

P.S.: La Vieille Taupe war eine Buchhandlung, die ich gegründet habe, und die 1972 geschlossen wurde.

Aus der historischen Perspektive betrachtet, gehört La Vieille Taupe keiner Person und bildet keine Gruppe im eigentlichen Sinn. Es ist die Bewegung selbst, die die Bedingungen ihrer Existenz verändert; diese Bewegung schließt alle Beteiligten individuell, unter Wahrung persönlicher Verantwortung, bei der Entwicklung einer Situation ein. Die Idee einer mehr oder weniger "radikalen Fraktion" ist nichts als ein Scherz, der gleichwohl nicht allen Sinnes entbehrt.

Angesichts der Weigerung seitens Libération, diesen Brief zu veröffentlichen, aus dem hervorgeht, daß die Zeitung etwas Faurisson druckte, ohne dies zu wissen -- eine Geschichte, die einiges Aufsehen hinter den Kulissen erregt und etwa den diskreten Weggang Pierre Goldmanns, der es nicht ertragen wollte, auch nur gelegentlich an einer Zeitung mitzuarbeiten, in der "Antisemiten" etwas schreiben konnten, zur Folge hatte --, versuchten Pierre Guillaume und Jean-Gabriel Cohn-Bendit den folgenden Text bei der Anzeigenabteilung von Libération aufzugeben, was postwendend abgelehnt wurde. Le Monde akzeptierte den Text zunächst als eine bezahlte Anzeige zum Preis von (1500 FF), besann sich nach einer Intervention der Direktion dann aber anders.

Die Unterstützung, die Professor Faurisson von Seiten Jean-Gabriel Cohn-Bendit, Pierre Guillaumes und von La Vieille Taupe erfuhr, hat viele schmerzlich erregt und eine Situation geschaffen, deren zukünftige Entwicklung mit unkalkulierbaren Risiken behaftet scheint.

Die LICA beschuldigt Professor Faurisson, ein Fälscher zu sein.

Erbringt irgend jemand den Beweis, daß Professor Faurisson auch nur ein einziger Fehler unterlaufen ist, so werden Jean-Gabriel Cohn-Bendit und Pierre Guillaume die Beziehungen zu Professor Faurisson sofort abbrechen, und statt dessen all ihre Unterstützung, die sie bisher Professor Faurisson zuteil werden ließen, zur Verbreitung der Ergebnisse desjenigen einsetzen.

Diese Angebot aus dem Jahre 1979 ist, soviel man weiß, noch immer in Kraft...

Diese von ein paar Leuten, die man vielleicht als Linksradikale bezeichnen könnte, geführte Aufklärungsaktion, sollte später andere Bahnen einschlagen. Im März dann kam in Lyon eine Broschüre unter dem Titel "Können wir ohne die Gaskammern nicht glücklich sein?" heraus. Nach einem kurzen Abriß der Entstehungsgeschichte der Affäre heißt es dort:


Können wir ohne die Gaskammern nicht glücklich sein?

Der Professor Faurisson steht allein.

Keine Gruppe, keine Organisation hat ihn unterstützt und unterstützt ihn. Unter denen, die sich bei verschiedenen Gelegenheiten für ihn verwandt haben, sei es in Zeitungsaufsätzen oder sonstigen Äußerungen zu seinen Gunsten, finden sich nichts als überzeugte Antifaschisten und Antirassisten. (Unter anderem Jacob Assous, José Benhamou, J.-P. Carasso, J.-P. Chambon, J.-G. Cohn-Bendit, H. Denes, P. Guillaume, C. Martineau, V. Monteil, J.-L. Redlinski, etc.).

Wäre es nicht an der Zeit, nachzudenken?

All diejenigen, die sich die Mühe machten, sich zu informieren, haben festgestellt, daß der Professor Faurisson durch und durch antitotalitär eingestellt ist. Diese wissen auch, daß er nichts anderes tut, als die Arbeit der Dekonstruktion der Gerüchte, wie sie von Paul Rassinier (dem Widerstandskämpfer ohne Fehl und Tadel) in bezug auf die Lager Buchenwald und Dora, in welchen er 19 Monate interniert war (er wurde im Oktober 1943 von der Gestapo festgenommen, 11 Tage lang gefoltert, und kam als zu 95% geschädigter zurück) und von J. Ginsburg für Majdanek, wohin dieser aus rassischen Gründen mit seiner ganzen Familie deportiert wurde, fortzusetzen. All diejenigen, die sich die Mühe machten, sich zu informieren, wissen, daß Professor Faurisson in gutem Glauben handelt, daß er - wie Rasinier und Ginsburg - überzeugt ist, daß die Konzentrationslager Hitlers mit oder ohne Gaskammer den Gipfel des Schreckens bilden, wenn auch einen Schrecken anderer Art, vielleicht einen noch tieferen, radikaleren Schrecken als die auf Effekt zielenden Vorführungen ihn vermitteln.

Wenn aber "der Schoß noch fruchtbar ist, aus dem das Ungeheur auf die Welt kroch", glaubt man wirklich die "Wiederkehr des Bösen" bekämpfen zu können, indem man gefahrlos einen einzelnen Mann attackiert, und sich auf einen Leichnam stürzt, auf einen phantasierten Faschismus, statt sich mit dem Schoß selbst zu befassen, der nirgendwo auf der Welt zerstört wurde, der noch immer neue Scheusale und Schrecken gebiert, die sich vom wirklichen und eingebildeten Faschismus, die niemals in der gleichen Gestalt wiederkommt, ganz offenbar unterscheiden...

Eine Grausamkeit kann eine andere verbergen...

Wurde die Aufführung des absoluten Schreckens als Spektakel nicht dazu benutzt, alle die anderen zu verstecken?

Eine amtliche Wahrheit wird es in der Geschichtsschreibung nicht geben können.

Das Verfahren der Berufsverbote ist schlimmer als das Übel, das man zu bekämpfen meint.

Personnen ohne Eigenschaft

 

Auch ein gewisser "Letzter Vorschlag aus dem Totenhaus, nach einer langen Unterhaltung zwischen Galileo, P. Rassinier, Jesus-Christ, K. Marx, und C. von Clausewitz" war im Umlauf:

Ich, Robert Faurisson, Sohn des verblichenen Robert Faurisson, fünfzig Jahre alt, erscheine in Person vor diesem Gericht, vor Ihnen, hohe und hochverehrte Richter, wie sie von der LICA und der Allerheiligsten Vereinigung der Deportierten und der Opfer des Faschismus als Großinquisitoren der gesamten Menschheit gegen die Perversion des Faschismus bestellt wurden; vor Ihnen stehe ich, den Gerstein-Bericht vor Augen, den ich in meinen Händen halte.

Ich schwöre, daß ich immer geglaubt habe, gegenwärtig glaube und dank des Antifaschismus auch fortfahren werde, alles zu glauben, was die heilige apostolische und widerständlerische LICA, für wahr hält, predigt und lehrt.

Da ich aber -- nachdem seine Heiligkeit das Fernsehen mich davon in Kenntnis gesetzt hat, daß ich nicht mehr der falschen Meinung anzuhängen habe, nach welcher die Existenz der Gaskammern zur Vernichtung der Juden auf schlichte Vermutungen zurückgeht, welche sich auf Gerüchte und einander widersprechende, zum Teil bereits von der LICA selbst als falsch erkannte Geständnisse stützen, und diese falsche Lehre weder zu vertreten, zu verteidigen, weder mündlich noch schriftlich zu verbreiten habe; nachdem man mich davon in Kenntnis gesetzt hat, daß die eben erwähnte Auffassung mit der Heiligen Amtlichen These nicht zu vereinbaren sei - diese verurteilte Lehre in verschiedenen Texten, die ich schrieb und drucken ließ, vorgestellt, und zu deren Gunsten eine sehr überzeugende Argumentation vorgetragen habe, ohne daß diese eine endgültige Klärung bedeutete; bin ich aufgrund dessen schwerer Häresie verdächtigt worden, indem ich meinte und glaubte, daß es die speziell zur industriemäßigen Tötung von Menschen vorgesehenen Gaskammern niemals gegeben habe.

Daher will ich, um den in den Augen dieser Inquisitoren und aller aufrechten Antifaschisten bestehenden schweren, zu Recht gegen mich gerichteten Verdacht auszulöschen, abschwören, und will mit ehrlichem Herzen und einer unverstellten antifaschistischen Frömmigkeit die genannten Irrtümer und Verstöße gegen den rechten Glauben, und im weiteren jeden sonstigen Irrtum, Verstoß oder gegen den Heiligen Widerstand gerichtete Handlung, melden; ich schwöre, in Zukunft weder mündlich noch schriftlich etwas zu äußern, das mich ähnlichem Verdacht aussetzen könnte, und ich werde, sollte ich auf einen Abfall vom Glauben oder etwas verdächtiges stoßen, es diesem Gericht, der Heiligen LICA, oder der Polizei in meinem Widerstandsbezirk melden.

Ich schwöre und verspreche weiterhin, allen mir von diesem Gericht bereits auferlegten oder noch zu erteilenden Strafen strengstens zu erfüllen und zu beachten; und ich unterwerfe mich, sollte ich eines meiner Versprechen und Gelöbnisse brechen, jeder vom Heiligen Widerstand und von den anderen, im allgemeinen und besonderen gegen derartige Straftäter geschaffenen, Einrichtungen verhängten Urteilen und Strafen.

Dabei hilft mir das Heilige Fernsehen und das Original des Gerstein-Berichtes, das ich in den Händen halte.

Ich, der unterzeichnende Robert Faurisson, der ich abschöre, schwöre, verspreche und wie oben erwähnt bereit bin, habe, um die Wahrheit mit eigener Hand zu bezeugen, die vorliegende Abschwörungsurkunde, die ich am ... in Paris im Justizpalast Wort für Wort vorgelesen, unterschrieben.

Die Stoßtruppe von Programme communiste druckten einen Aufsatz von 1960, "Auschwitz oder das große Alibi" /48/, mit folgender einführenden Bemerkung noch einmal ab:

Der von uns hier wiedergegebene Aufsatz legt die wirklichen Ursachen der Vernichtung der Juden bloß, Ursachen, die nicht im Reich der "Ideen", sondern in der Funktionsweise der kapitalistischen Wirtschaft und der sozialen Unvereinbarkeiten, die sie hervorbringt, zu suchen sind. Und er zeigt auch, daß, wenn der deutsche Staat der Henker der Juden gewesen ist, all die bürgerlichen Staaten, die heute Krokodilstränen vergießen, an deren Tod mitschuldig sind.

Die Infanteristen von La guerre sociale lassen ein Flugblatt drucken, welches weitgehend auf Auszüge aus einen Artikel zurückgreift, der die Sache ziemlich gut in den Griff bekommt: "Wer ist der Jude?" /49/. Zum Zweck der Verteilung in Lyon im Juni 1979 wurde eine Einführung (im folgenden fettgedruckt) vorangestellt:

Wer ist der Jude?

Vor einigen Jahrzehnten rollte eine Woge des Antisemitismus durch Europa. Bereits bevor die Nazis einen Teil der jüdischen Bevölkerung deportierten, waren Eigentum und Arbeitsplätze der Juden bedroht. So wurde den jüdischen Professoren die Lehrtätigkeit untersagt. Wenn heute die Verfolgungen von aller Welt beklagt werden, ist darauf hinzuweisen, daß sich dem seinerzeit nicht so viele widersetzt haben.

Die Zeiten haben sich offenbar geändert. Ein jeder wiedererstehende Antisemitismus trifft sehr schnell auf den Widerstand der Linken, des universitären Milieus, auf den Staat. So genügt es, daß bekannt wird, ein Professor von Lyon 2, Robert Faurisson, vertrete ähnliche Ideen wie Darquier de Pellepoix, jener ehemalige Kommissar für jüdische Angelegenheiten des Vichy-Regimes, damit seine Vorlesungszeiten in der Presse bekanntgegeben werden, Engagierte guten Willens ihn an der Fortsetzung seiner Lesung zur Französischen Literatur hindern, und die Direktion seiner Fakultät, um die Ruhe an der Universität wiederherzustellen, ihn von der Lehrtätigkeit suspendiert. Höchstwahrscheinlich wird man ihn dieses Jahr oder nächstes Jahr von der Universität vertreiben. Faurisson wird als "Nazi-Schwein" nicht nur in seinem Beruf angegriffen; auch sein Privatleben, seine Familie ist betroffen. Der eine oder andere findet diese Methoden nicht in Ordnung, hält aber dafür, daß man nicht ungestraft jede beliebige Meinung vertreten darf: man weiß zu gut, wohin das führen kann. Faschismus und Rassismus sind schon einmal durchgekommen. Jetzt kommt das nicht wieder durch. Die Maginotlinien werden halten.

Und wenn die Maginotlinien, was ihr Schicksal nun einmal ist, schon längst umgangen sind? Und wenn es nun Faurisson ist, der zum Juden geworden ist?

Darquier de Pellepoix, der seinen Lebensabend in aller Ruhe in Spanien verbringt, hat die Deportation der Juden organisiert. Faurisson soll ein Nachkömmling von Darquier de Pellepoix sein, aber hat er die Deportation von irgendjemandem befürwortet? Nein, das Verbrechen Faurissons besteht darin, zu meinen, man könne von Völkermord im eigentlichen Sinn des Wortes nicht sprechen, und bei den "Gaskammern" handele es sich um eine Legende. Damit nähert er sich in der Tat den Aussagen, die Darquier gegenüber einem Reporter des Express gemacht hat. Was aber soll man Darquier vorwerfen: daß er an der Deportation der Juden mitgewirkt hat, oder daß er jetzt solche Reden hält? Darquier de Pellepoix und Faurisson mögen in einer Reihe von Punkten übereinstimmen, ohne daß damit Faurisson zu einem Komplizen Darquiers gemacht werden kann.

Der Ausgangspunkt von all dem ist die Behauptung, es handele sich bei den "Gaskammern" um eine absolut unabweisbare Tatsache. Woraus folgt, daß jede Infragestellung dieser absolut unabweisbaren Tatsache, nur einen - sei es direkt oder indirekt -- faschistischen oder antisemitischen Hintergrund haben könne. Wenn Faurisson also in den Fußstapfen Darquiers wandelt, und er kein mehr oder weniger gut getarnter Antisemit ist, so nur in dem Maße, als er ein Spinner ist, und zwar ein gefährlicher Spinner. Die Idee, die Infragestellung der Existenz der "Gaskammern" könne von einem Verlangen nach der Wahrheit, und nicht von dem Bestreben, Verbrechen zu vertuschen und sich reinzuwaschen, wie im Fall Darquier, veranlaßt sein, wird von vornherein verworfen.

Dagegen genügen etwas Wahrheitsliebe und die Beschäftigung mit dieser Frage, um zu der Erkenntnis zu kommen, daß es sich bei der Existenz der "Gaskammern" um eine sehr viel weniger offenkundige Tatsache handelt, als uns gesagt wird. Das Studium der technischen Voraussetzungen solch eines Verfahrens und die Wiedersprüche in den Aussagen der SS-Leute lassen die "Beweise" ziemlich brüchig werden. Diejenigen, die sich in dieser Frage zum Fachmann aufgeworfen haben, und von der gesamten Presse unterstützt werden, wissen es; das ist auch der Grund, warum sie eine Diskussion zu verhindern suchen.

Der Zweifel hinsichtlich des Vorhandenseins der "Gaskammern" geht nicht von der extremen Rechten aus. Dieser wurde zum ersten Mal von Paul Rassinier geäußert, der -- es ist nicht unnütz daran zu erinnern -- ein Widerstandskämpfer von Anfang an war, von der Gestapo festgenommen und gefoltert, später nach Buchenwald verschleppt wurde. Die Auffäre Darquier de Pellepoix mit der Affäre Faurisson zu verbinden, lehrt einiges über die Funktionsweise der Massenmedien, nichts aber über den Vorgang der Infragestellung der Existenz der "Gaskammern". Darquier benutzt Rassinier, um sich reinzuwaschen und die Presse benutzt Darquier, um die Wahrheit besser diskreditieren zu können und sich mit den Positionen Rassiniers nicht auseinandersetzen zu müssen.

Die Legende der "Gaskammern" ist vom Nürnberger Tribunal, wo die Nazis von ihren Siegern gerichtet wurden, amtlich beglaubigt worden. Seine erste Funktion war, dem stalinistisch-demokratischen Lager zu erlauben, sich von jenem der Nazis und ihrer Verbündeten radikal zu unterscheiden. Der Antifaschismus und Antinazismus hat zur Rechtfertigung ihrer eigenen Kriegshandlungen gedient, und dient seither unverändert zur Rechtfertigung vieler Scheußlichkeiten, die jene begangen haben, die die Welt vor der Barbarei gerettet haben wollen.

Die Zeit der Unsicherheit, in der wir leben, die in vieler Hinsicht der Vorkriegszeit ähnelt, braucht -- da es ihr nicht gelingt, die wirklichen Ursachen der Probleme in den Griff zu bekommen -- Sündenböcke, um sich auf diese Weise immer wieder ihrer Legitimität zu versichern. Bei der erstbesten Gelegenheit und unter dem Vorwand, sich gegen ein Wiedererstehen zu wappnen, gräbt man die alten Feindbilder wieder aus, erweckt man die gegen den gestern besiegten Barbaren geführte Kriegspropaganda zu neuem Leben. Das Kapital aber wird in dem Maße, da die Krise sich zuspitzt und die revolutionäre Gefahr wächst, versuchen, der Bevölkerung einen greifbareren Feind vor Augen zu führen, und diese oder jene Gruppe im Innern, oder diesen oder jenen äußeren Feind verantwortlich zu machen.

Unser Standpunkt ist, zu versuchen, die Experimente mit Spannungszuständen, die Installation von Haßsystemen, so weit wie möglich zu verhindern. Wir haben nur einen einzigen Feind: die die ganze Erde beherrschenden kapitalistischen Produktionsverhältnisse; und nicht diese oder jene soziale Gruppe. Die Kapitalisten und Bürokraten dürfen nicht als Menschen angegriffen werden, sondern nur insoweit, als sie sich mit ihrer Funktion und ihrem Profit indentifizieren und die Klassengesellschaft verteidigen.

Man hat sich gefragt, von wem Faurisson manipuliert werde und die extreme Rechte verdächtigt. Wir, die wir Revolutionäre sind, werden ihn auf alle Fälle unterstützen. Gewiß nicht unter Berufung auf ein allgemeines Recht auf freie Meinungsäußerung oder die Freiheit der Lehre. Und auch nicht nur aus einem Reflex mitmenschlicher Solidarität heraus: wir unterstützen ihn, weil Faurisson als jemand angegriffen wird, der die Wahrheit zu erforschen und diese durchzusetzen versucht.

Bedeutet aber Hilfe für Faurisson und seine Forschung nicht auch eine Art Geburtshilfe für einen neuen Antisemitismus? Die erste Pflicht ist immer noch die Suche nach der Wahrheit. Und sollte diese Wahrheit, aus Furcht, dem Antisemitismus Nahrung zu geben, unterdrückt und den Antisemiten als Monopol überlassen werden? Das wäre ein zweifelhaftes, ein gefährliches Unternehmen. Die Wahrheit und die Suche nach ihr können nicht antisemitisch sein.

Und wenn auch nur die Unruhe in der Presse daran schuld sein sollte: die Frage nach der Existenz der "Gaskammern" läßt sich nicht länger unterdrücken, der Zweifel an der amtlichen Wahrheit wird seinen Weg machen. Im Hinblick auf diesen Stand der Dinge meinen wir, daß es vor allem wichtig ist, die Sache zu beschleunigen, daß die Entwicklung nicht immer nur behutsame Arbeit in kleinen Schritten bedeutet, eine Ausrichtung und Wiederausrichtung, so wie es seit Jahren geschieht, indem die Lügen der einen und das gute Gewissen der anderen mit Bedacht manövriert werden, woraus ein dritter wiederum eine neue Philosophie entwickelt. Derzeit geht es nicht um die eine oder andere Lüge, sondern um die Funktionsweise der ganzen Maschine, die zur Herstellung der Unwahrheiten -- und zu deren Auswechselung und Ergänzung, falls diese verschlissen sind -- geschaffen wurde. Dabei gilt es Sorge zu tragen, daß daraus kein neuer Antisemitismus entsteht. Dies geschieht am besten, indem die Wahrheit nicht der extremen Rechten überlassen wird, indem gezeigt wird, daß auch Juden das verteidigen, was sie für wahr halten, selbst wenn dies im Widerspruch zu der Legende vom Holocaust steht. Es gilt die wirklichen Mechanismen, die den Antisemitismus, die Deportation und die Dezimierung von jüdischen und nichtjüdischen Gefangenen in den Konzentrationslagern hervorgebracht haben, aufzudecken. Es gilt zu zeigen, daß der Kampf gegen alle Arten von Rassismus oberflächlich bleibt und schnell erlahmt, wenn er nicht unmittelbar gegen das Kapital geführt wird.

Auf fünfzig Deutschland gewidmeten Büchern in einer durchschnittlichen öffentlichen Bibliothek kommen dreißig, die sich mit dem Zeitraum von 1933-1945 befassen; darunter zwanzig mit der Deportation. Die Darstellung der Lager für das große Publikum ist die eines Schreckensreiches im Reinzustand, in welchen nur eine Logik galt: die des Terrors. Diese Darstellung stützen sich auf apokalyptische Beschreibungen des Lagerlebens, sowie auf historische Analysen, aus denen abgeleitet wird, die Nazis hätten die Vernichtung von Millionen Menschen, darunter sechs Millionen Juden, geplant. Gewisse Autoren, wie David Rousset, gehen noch weiter: die Nazis haben nicht nur töten, sondern entwürdigen, den "Untermenschen" ihre Lage recht zu Bewußtsein bringen wollen, indem sie deren Bedingungen stufenweise verschlechterten und den Verfall organisierten.

Die Hervorhebung der Naziverbrechen dient in erster Linie der Rechtfertigung des Zweiten Weltkrieges und im weiteren der Verteidigung der Demokratie gegen den Faschismus: der Zweite Weltkrieg wäre dann kein Konflikt zwischen den Völkern oder Imperialismen, sondern ein Kampf der Menschlichkeit auf der einen Seite und der Barbarei auf der anderen; die regierenden Nazis seien, sagt man uns, Ungeheuer und Verbrecher gewesen, die die Macht an sich gerissen hätten. Diejenigen, deren man nach der Niederlage habhaft werden konnte, sind in Nürnberg von ihren Siegern gerichtet worden. Diese Version ist auf den Willen der Nazis zum Massaker angewiesen. Gewiß wird in allen Kriegen getötet, sie, die Nazis, aber wollten töten. Das ist das Schlimmste, und vor allem das macht man ihnen zum Vorwurf. Mit dem Moralismus im Rücken schilt man sie nicht so sehr, einen Krieg geführt zu haben -- denn ein repektabler Staat darf sich dazu gehen lassen --, sondern sadistisch gewesen zu sein. All die schweren, mörderischen Bombardierungen Hamburgs, Tokios, Dresdens, die beiden Atombomben, all diese Toten werden als ein unabwendbares Übel entschuldigt, das in Kauf genommen werden mußte, um andere Massaker, deren Schrecklichkeit vor allem daher herrührte, daß sie systematisch unternommen wurden, zu verhindern. Zwischen Kriegsverbrechen der Nazis und den Praktiken ihrer Sieger sei kein Vergleich möglich. Wer das Gegenteil behaupte, mache sich bereits -- bewußt oder unbewußt -- zum Komplizen dieser Verbrechen und gestatte deren Wiederholung. Die Rechtfertigung von 39-45 ist keine Kleinigkeit. Dieser beispiellosen Metzelei, die Millionen und Abermillionen Tote gekostet hat, muß ein Sinn gegeben werden: oder will man zugeben, daß all dies nur diente, die Krise von 1929 aufzufangen und dem Kapitalismus wieder auf die Füße zu verhelfen? Diese Entschuldigung nährt den Antifaschismus von heute und morgen und mit ihm die Linke, die sich von ihm speist und damit ihre Beteiligung am System rechtfertigt. [...]

Die im Zusammenhang mit der Deportation gestorbenen werden den Millionen Toten, die jedes Jahr überall in der Welt Hungers sterben, vorgezogen. Nannen, der Chefredakteur des deutschen Magazins Stern, sagte über die antisemitischen Verfolgungen: "Ja, ich wußte davon, und ich war zu feige, etwas dagegen zu unternehmen. Er vertraut uns an, daß seine Frau weinte, nachdem sie "Holocaust" gesehen, und sich daran erinnert hatte, wie sie, kaum zwanzig Jahre alt, an einer Schlange wartender jüdischer Frauen vorbei sich bevorzugt hatte bedienen lassen. Auch heute gibt es welche, die bevorzugt bedient werden, und wir können dies unmöglich nicht wissen. Jean Ziegler hat kürzlich anläßlich der Vorstellung des Buches "Vernichtete Bauern --Zerstörte Erde" von René Dumont darauf hingewiesen, daß "allein die Weltgetreideernte von 1977 -- eine Milliarde und vierhundert Millionen Tonnen -- ausgereicht hätte, um zwischen fünf und sechs Milliarden Menschen angemessen zu ernähren. Indessen leben gegenwärtig nur wenig mehr als vier Milliarden Menschen auf der Erde, und Tag für Tag sterben zwölftausend von uns an Hunger."

Man wirft den Nazis vor, den Mord geradezu wissenschaftlich organisiert zu haben, und Menschen wie Versuchskaninchen im Namen medizinischer Experimente getötet zu haben, aber auf derartige Verfahren haben sie keineswegs ein Monopol. Die Zeitung Le Monde titelte am auf Hiroshima folgenden Tag: "Eine wissenschaftliche Revolution".

Die Ideologie besteht aber nicht nur darin, gewisse Tatsachen hervorzuheben, um die Sieger gegenüber den Besiegten in ein günstiges Licht zu stellen und vergangene Leiden gegenüber gegenwärtigen herauszustellen. Diese Rechtfertigungen werden von einer regelrechten Weltanschauung unterstützt, welche den gesellschaftlichen Verhältnissen des Kapitalismus entspringt und zur Verschleierung von deren wahrer Natur dient. Diese Weltanschauung haben Demokraten und Faschisten zu großen Teilen gemeinsam. Sie führt die Spaltungen der Gesellschaft auf Machtfragen zurück, und betracht Unglück und Schrecken als Ausfluß des Verbrechens. Diese Weltanschauung ist vom antifaschistischen, antitotalitären -- vor allem aber konterrevolutionären -- Denken systematisiert worden. Viel eher als die Gefahr, die von den derzeit ziemlich schwachen Nazis und Faschisten ausgeht, ist es die Abwesenheit eines revolutionären Proletariats, die dieser Ideologie Kraft gibt, und ihr gestattet, die Geschichte nach ihren Wünschen zu rekonstruieren. In der Tat sind Inszenierungen und Fälschungen nicht das Monopol der Stalinisten. So etwas hat auch in einer demokratischen Atmosphäre der Freiheit des Denkens und der Rede zur Blüte kommen können.

Uns geht es nicht darum, aus einem Gerechtigkeitsdenken heraus Fehler zu korrigieren, die Zahl der Toten zu berichtigen und gegeneinander aufzurechnen: die Verbrechen der Nazis sind im Grunde nichts anderes als Verbrechen des Kapitals, deren Aufzählung man in der Hoffnung, das System auf diese Weise überzeugender zu richten, ins Unendliche verlängern könnte. Auch ist es nicht unser Anliegen, die Staatsverbrechen im Namen einer sozio-ökonomischen Unausweichlichkeit, deren Werkzeug die Menschen wären, welche damit aller Rechenschaft wem auch immer gegenüber enthoben wären, zu entschuldigen. Man entgeht dem Politisch-Rechtlichen nicht mit Verweis auf die Verantwortlichkeit der Gesellschafft, auf die Verantwortung von jedermann. Diese Betrachtungsweise muß kritisiert werden, weil die Art, in der das Kapital hier als Ankläger auftritt, die Art seiner eigenen Rechtfertigung ist. Diese Inszenierung, mit der das System, d. h. die Politiker, die Intellektuellen, sich des Unglücks und des Schreckens bedienen, um eben das, was Unglück und Schrecken hervorgebracht, gegen eine wirkliche Kritik zu verteidigen, gilt es auseinanderzunehmen.[...]

Rassinier lesen

Die Lager sind nicht nur von ihrer Entstehung her, sondern auch in ihrem Funktionieren ein Produkt des Kapitlismus. Die Lektüre der Arbeiten Paul Rassiniers -- und insbesondere Die Lüge des Odysseus -- ist deshalb so interessant, weil er eine materialistische Betrachtung des Lebens, und also auch des Todes, im Innern der Lager gestattet.

Paul Rassinier (1906-1967) LINKLINKtrat 1922 der kommunistischen Partei bei. Als Mitglied der Linksopposition wurde er 1932 ausgeschlossen. Von der aktiven Linken der KP ging er zur SFIO, zur Revolutionären Linken von Marceau Pivert. Die drohende Gefahr vor Augen, vertrat er pazifistische Thesen. Sofort nach Kriegsausbruch betätigte er sich im Widerstand. Von der Gestapo 1943 verhaftet, gefoltert, und schließlich für 19 Monate nach Buchenwald und Dora verschleppt, kehrte er als Vollinvalide zurück.

Nach dem Krieg hat Rassinier bei Pazifisten und Anarchisten veröffentlicht, aber auch in Zeitschriften der extremen Rechten. Seine sich mit den Konzentrationslagern befassenden Werke wurden auf Kosten des Verfassers veröffentlicht oder erschienen bei rechtsradikalen Herausgebern. Diejenigen, die deswegen gegen ihn polemisieren, sind diejenigen, die ein Erscheinen seiner Arbeiten am liebsten ganz verhindert hätten. Der Großteil der Bücher Rassiniers ist vergriffen. Bei La Vieille Taupe (B.P. 9805, 75224 Paris Cedex 05) soll demnächst eine Neuauflage von Le Mensonge d'Ulysse erscheinen.

1962, in seiner Einleitung zu Le Véritable Proces Eichmann erklärt P. Rassinier sich wie folgt: "Wenn es nach Ende der Feindseligkeiten auch nur wenige Leute waren, die meinten, daß es notwendig sei, die Schrecken des Zweiten Weltkrieges und die Frage der Verantwortlichkeit noch einmal genau zu untersuchen, so ist es doch bemerkenswert, daß diejenigen größtenteils der Rechten angehörten, und dazu ihre Argumentation auf Prinzipien gründeten, in deren Namen fünfundzwanzig Jahre zuvor die linken Intellektuellen den Versailler Vertrag verworfen hatten. Nicht weniger bemerkenswert ist es, daß die Linksintellektuellen in ihrer überwältigenden Mehrheit den Nürnberger Prozeß unter Berufung auf Prinzipien begrüßten, je garadezu feierten, deren reaktionären Charakter sie zu Zeiten Versailles den Rechtsintelektuellen vorwarfen. Auf jeden Fall hat auf dem Gebiet der Grundsätze ein Stellungswechsel stattgefunden, und es ist dieser Stellungswechsel, der mein persönliches Drama bedeutet." Und er begründet sein Vorgehen: "Alles hatte wieder bei Null anzufangen: die Tatsachen eine nach der anderen vorzunehmen, diese auf ihre Substanz hin zu untersuchen, und sie schließlich in den richtigen historischen Zusammenhang zu stellen... Ich habe also bei jenem geschichtlichen Phänomen angefangen, über das ich mich, weil ich es erlebt habe, am besten informiert glaubte: das der Konzentrationslager. Da der Gegenstand höchst aktuell war, und alle Diskussionen in der Öffentlichkeit immer wieder darauf zurückkamen, wird man verstehen, daß ich der Meinung war, die Gelegenheit könne nicht günstiger sein. Die Lüge des Odysseus war also mein erster Treuebeweis gegenüber den Prinzipien der Linken von 1919." [...]

Die "Gaskammern"

Rassinier ist vor allem als jemand bekannt und angegriffen worden, der zu verneinen wagte, daß die "Gaskammern" Instrument des Massenmordes gewesen seien. Es ist hier nicht der Ort, auf seine Argumente in ihrer Gesamtheit einzugehen und die Frage abschließend zu beantworten. Wie jeder andere auch, hielten wir den Einsatz der "Gaskammern" zum Zweck eines Massakers auf industrieller Stufenleiter für eine erhärtete Tatsache. So streitbar und mißtrauisch wir auch sein konnten: die Idee, man habe einen Bluff von von solch einer Dimension und zu solch einem makabren Gegenstand organisieren können, wäre uns spontan niemals gekommen. Die Lektüre Rassiniers hat uns ziemlich erschüttert. Noch mehr aber hat uns die Art erschüttert, in der die Diskussion in der Presse geführt wurde, oder besser gesagt, die Art, in der man diese verhinderte. [...].

Man spielt mit dem den Toten und den Leiden der Überlebenden geschuldeten Repekt. Und mit der Angst aller, sich auf Seiten des Henkers wiederzufinden. Einige wären, um keine Verbrechen zu decken, sogar bereit zu töten. Ist der gesunde Menschenverstand, der uns mit Lenin sagt, daß man eine große Zahl von Menschen nicht für lange Zeit betrügen könne, bereit anzuerkennen, daß man ihn mit dieser "Gaskammer"- Geschichte vielleicht doch hinters Licht geführt hat? Er wird sich sagen: "Das wäre doch ein zu starkes Stück", und in den Armen des guten oder des schlechten Gewissens wieder einschlafen...

Aber gibt es nicht die Zeugnisse der Deportierten und die Geständnisse der Henker? Viele Menschen haben die "Gaskammern" doch "gesehen", selbst an Orten, von denen anerkannt ist, daß es dort keine gab. Eigentlich aber haben sei vor allem nur davon reden hören. Die Geständnisse als solche sind nicht ausreichend. Die SS-Leute waren geschlagen, ihre Illusionen und ihre Sache verloren. Die drohende Hinrichtung vor Augen, verwiesen sie, um sich zu entschuldigen, auf unauffindbare Befehle und eine großangelegte Aktion, die über sie hinweggegangen wäre. Das Entgegenkommen gegenüber ihren Vernehmern hat sich in mehreren ausgezahlt. Es nicht nötig, die Folter zu erwähnen, selbst wenn deren Anwendung für gewisse Fälle bezeugt scheint. Die Folter genügt bei Leuten, die noch an ihre Sache glauben, vielleicht nicht, um ans Ziel zu kommen. Ist diese aber zerbrochen, genügt der kleinste körperliche oder moralische Druck, um sie -- für die es nichts mehr gibt als die Identifikation mit dem Sieger und den Überlebensinstinkt -- zu vernichten. Was man bei Bucharin ins Feld führt, gilt auch für Höß, den Kommandanten von Auschwitz, der in einem polnischen Gefängnis saß und 1947 hingerichtet wurde.

Rassinier hat sich bemüht aufzuzeigen, daß auf die Dokumente, auf denen der Glaube an die "Gaskammern" ruht, kein Verlaß ist; entweder wegen deren Herkunft, oder aber wegen ihrer Widersprüchlichkeit. Die schwerwiegensten Widersprüche wurden zwischen den Beschreibungen der "Vergasungen" und den wirklichen Begleitumständen einer solchen Operation sichtbar.

Das Gerücht von den "Gaskammer" hat sich innerhalb der Konzentrationslager verbreitet. Es ist mit der ungewöhnlich hohen Todesrate beim Transport von einem Lager in das andere zu erklären, mit den durchgeführten Selektionen [im Original deutsch - d.Ü.], deren Ziel darin bestand, die Arbeitsfähigen von der Masse der Gefangenen zu trennen, und mit der Verwechselung von Krematorien und "Gaskammern". Aus den Zeugnissen der Gefangenen wird ersichtlich, daß diese vergast zu werden glaubten, weil man die Duschräume an anderer Stelle eingerichtet hatte, oder weil sie zur Krankenstation geschickt wurden; dem war aber schließlich nicht so. Was zu dem Schockargument, nachdem diejenigen, die vergast worden seien, nun nicht mehr da wären, um darüber zu berichten, offensichtlich im Widerspruch steht. Diese Gerüchte sind nach dem Krieg insbesondere von Teilen der H.-Führung [im Orig. deutsch - d.Ü.], die sich damit reinzuwaschen und ihre Rolle zu vertuschen glaubten, systematisiert worden.

Aber die ideologische Funktion der "Gaskammern" geht über die besonderen Interessen einzelner weit hinaus. Und es ist von daher nicht ganz unnütz, das kleinliche Gebiet der historischen Forschung zu verlassen und sich mit Jean Daniel auf die Ebene politischer Philosophie zu begeben.

Der Chefredakteur des Nouvel Observateur schreibt am 6.11.1978 in seinem Kommentar "Das verbotene Vergessen": "Die Kampagne hat in den fünfziger Jahren mit dem äußerst präzisen Buch Paul Rassiniers, eines französischen Parlamentariers mit sozialistischem Hintergrund, angefangen, der selbst -- aber ja! -- für kurze Zeit in einem Lager war." J. Daniel selbst hält von Präzision nicht allzu viel, er macht eher in Lyrik. Und erspart sich die Arbeit, Rassinier zu widerlegen. Er begnügt sich damit, auf die "Kreuzritter des Rassismus" zu verweisen, die sich der Argumentation Rassiniers bedienen. Im übrigen sei Rassinier schwer zu widerlegen, denn den Nazis, und darin läge die Magie des Schreckens, sei es gelungen, das wahrhaft perfekte Verbrechen zu begehen: "Nur der Teufel kann sich so etwas ausgedacht haben, ein technokratischer Teufel auf dem Höhepunkt einer wahnsinnig gewordenen Wissenschaft. Die Erfassung der Verdammten, der Transport, die Organisation der Lager, die Auswahl zur Vernichtung: nichts wurde dem Zufall überlassen. Es bleibt nicht die geringste Spur: der höllische Vorgang des perfekten Verbrechens. Das Besondere, das ist seine Perfektion, sein umfassender Charakter, seine Radikalität, die Faszination des Schreckens, seine Fähigkeit zur Beschwörung des Nichts und des Unendlichen. Die Rassisten haben allen Grund, eine Anklage zu fürchten. Es handelt sich um einen beispiellosen Akt, aus dem Nichts geboren und ins Nirgendwo führend."

Wir aber sind, will man J. Daniel Glauben schenken, noch gut davongekommen, denn Frankreich hat sich zu seinem Glück besonnen: "Es existiert im geheimnisvollen kollektiven Unbewußten ein dunkles Gefühl, daß, wenn der Glaube an den Völkermord erst einmal in sich zusammengebrochen sei, sich alsbald nicht nur der Antisemitismus, sondern auch der latente Rassismus mit Ungestüm erhebe, ein Rassismus, dem alle Minderheiten zum Opfer fallen können, der den Geist ebenso unaufhaltsam, wie sich eine Ölpest auf dem Meer ausbreitet, ins Dunkel ertränkt." Der Dichter, oder besser der Albatros, verwandelt, die Flügel noch teerverschmiert, die auf der Meeresoberfläche von den Massenmedien angerichtete Verschmutzung kurzerhand in einen Ausbruch aus den Tiefen der Gesellschaft.

Ein tatendurstiger Journalist hatte, mit verstecktem Mikrofon und versteckter Kamera einen alten Raben interviewt, die sich hatte mehr oder weniger gut übersehen lassen. Die ganze Presse stürzte sich unter dem Vorwand, den pädagogischen Nutzen oder Schaden solch einer Öffentlichkeit für den Rassismus eines Darquier de Pellepoix zu diskutieren, auf die Affäre; um die Ausführungen eines Darquier offenbar mehr bemüht als die Positionen eines Rassinier ernsthaft zu hinterfragen. Wo in all dieser Banalität der Platz des geheimnisvollen kollektiven Unbewußten ist, wird jedenfalls nicht klar.

Auf die Verkehrung dieses Jean Daniel stützt sich dann ein anderer Vogel -- Louis Martin-Chauffier, den der Erzbischof von Marseille in seiner Predigt zu Allerheiligen zitiert hatte --, vielleicht, um das Schweigen des Vatikans gegenüber den Nazis vergessen zu machen. Martin-Chauffier, sagt uns der Erzbischof, ist "der Autor einer der schönsten Betrachtungen über die Deportation: <Man darf auf die Gewalt nicht mit Haß antworten. Vergessen aber wäre Versagen. Das Vergessen ist verboten. Man wird all das, was geschah, bei Strafe der Wiederholung all des Vergessenen, nicht vergessen dürfen.>"

Dem Verständnis der ökonomischen und sozialen Bedingungen, die die Zerstörung menschlichen Lebens in solch einem Ausmaß hervorgebracht haben, setzt man die Legende einer absichtlich teuflischen Planung entgegen. Dem Kampf gegen die ökonomischen und sozialen Bedingungen setzt man die Notwendigkeit des Erinnerns entgegen. Das Vergessen genüge, damit alles wieder von vorn anfange. Das kollektive Unbewußte, alias Massenmedien, hat sich zum Wächter dieses Alptraumes ernannt. Womit das Spektakel des Schreckens legitimiert wäre, welches, statt einen Schutz wogegen auch immer zu bieten, die Scheußlichkeit lediglich alltäglich werden läßt, und dem Publikum den Eindruck vermittelt, man könne doch nichts tun. Das war einmal oder es ist zu weit weg, zum Ort des Geschehens jedenfalls wird der Fernsehapparat. Dies aber ist nicht nur eine Frage der Passivität oder der Entfernung, auch ein Gefallen an diesen Dingen, die Faszination des Schrecklichen ist im Spiel, und an guten Gründen mangelt es nicht.

Denn das Schreckliche existiert nicht nur an den Rändern unserer Welt und hinter dem Stacheldraht, hinter den man es verweist: es sickert in Gestalt des Verbrechens, des sinnlosen Unfalls oder pathologischen Verhaltens unmittelbar aus der glatten Oberfläche der Bilder eines unbeschwerten Lebens. Diese ungreifbare Bedrohung aber gilt es einzukreisen, ihr einen Sinn zu geben, ein Schauspiel zu ihrer Beschwörung aufzuführen. Dieser Todeskult, eine wichtige Ausdrucksform des kollektiven und individuellen Unbewußten, läßt lediglich übersehen, wie konkret diese Produktionsweise tatsächlich für den Menschen eine ständige Bedrohung seiner Existenz bedeutet. Und wir sprechen noch nicht einmal von der atomaren Bewaffnung oder einer anderen begrenzteren realen Lebensgefahr, sondern von dem undeutlichen Gefühl, das sich in von der menschlichen Gemeinschaft isolierten, in einer schwierigen sozialen Lage befindlichen Menschen (Familien, Unternehmen) ausbreitet, die sich tatsächlich -- und jeden Tag ein bißchen mehr -- als überflüssig empfinden. Die Krise verschärft die ökonomische und gefühlsmäßige Unsicherheit. Man versucht sich dieser Schwierigkeiten zu entledigen, indem man Sündenböcke einsetzt, und auf sie den Unwillen gegen die Zerstörung konzentriert. Sollte unglücklicherweise wieder eine ähnliche Krise auftreten, wie sie in Deutschland herrschte, auf deren Höhepunkt man sieben Millionen Arbeitslosen zählte, ohne daß eine Möglichkeit zur Zerschlagung des kapitalistischen Wirtschaftssystems besteht, so sind alle Voraussetzungen für das erneute Entstehen eines radikalen Rassismus, und sogar eines staatlichen Rassismus, gegeben. Und es ist weiterhin sehr gut möglich, daß die Mehrzahl der intellektuellen Antifaschisten von heute bereit wäre, für einen solchen Rassismus Rechtfertigungen zu suchen und zu finden.

Der Antisemitismus Hitlers ist ein einzigartiger Fall in der Geschichte und muß als solcher vorgeführt werden, auf daß der wahre Charakter all des Schrecklichen, das unsere Welt hervorbringt, mystifiziert und vergessen werde. Man verweist auf die besonderen Umstände, die das Entstehen des Nazismus begleitet haben, aber nur, um sich nicht tiefer damit befassen zu müssen, um sich ins Allgemeine flüchten zu können. Raymond Aron meinte (France-Soir, Zeitung des Ex-Antisemiten Hersant, 2.2.1979): "Will man die Banalisierung vermeiden, muß die Tatsache der Einzigartigkeit des Nationalsozialismus immer wieder betont werden. Er allein hat, auf die Entscheidung einiger Personen hin, die Vernichtung eines ganzes Volkes geplant. Vielleicht hat Stalin noch mehr Menschen geopfert. Aber seit den Vernichtungsaktionen Hitlers haben wir Angst vor dem Menschen. Der Schrecken darüber, daß so etwas möglich war, sitzt noch immer in uns. Deshalb gilt es, statt von Banalisierung zu sprechen, darauf hinzuweisen, daß wir alle in gewisser Weise daran teilgenommen haben."

Von Jean Daniel haben wir gelernt, daß bei dieser Vernichtungsaktion Satan seine Hand im Spiel hatte. Raymond Aron setzt uns davon in Kenntnis, daß wir Angst vor den Menschen hätten, seit das passiert ist; jeder von uns hätte daran teilnehmen können. Der Teufel sitzt im Innern eines jeden von uns: die Rückkehr der Erbsünde. [...]

Die Geschichte ist selbst ein geschichtliches Produkt. Das Bild, das wir uns von der Vergangenheit machen, ist das Ergebnis einer Auswahl und einer Interpretation der Tatsachen, je nach Art der sich gegenüberstehenden Kräfte, und entsprechend den mit der Zeit wechselnden Machtverhältnissen. Entsprechend wird in Frankreich von der Schulgeschichtsschreibung das nationale Geschehen von Vercingetorix bis De Gaulle ausgebreitet, der Klassenkampf aber verdrängt. Der allgemein verbreitete Konformismus behauptet, die Wissenschaft habe heute mit aller Legendenbildung gebrochen, Geschichte werde heute entsprechend der Abfolge gesicherter Tatsachen geschrieben. Die sich wissenschaftlich gebende Rekonstruktion der Vergangenheit aber steht mehr denn je unter Aufsicht des Staates.

Das vom Zweiten Weltkrieg und dem System der Konzentrationslager mit der ganzen Kraft der Massenmedien entworfene Bild dient der Rechtfertigung der Gegenwart, so wie das Kapital sich beständig mittels Selbstdarstellung, welches es über die Mechanismen der Produktion des Aktuellen ins Werk setzt, zu legitimieren sucht. Die Selbstdarstellung ist noch ausbaufähig. Sollte in einem speziellen Fall die Lüge nicht erforderlich sein, läßt das Kapital auch die Wahrheit zu. Eine Enthüllung, die den "Urheber" heute ernsthaft in Schwierigkeiten bringt, wird von anderen begrüßt werden, und sei es in der Zukunft, wenn die Zeit reif ist. Die revolutionäre Theorie aber steht vor der Aufgabe, nicht nur diese oder jene spezielle Lüge aufzudecken, sondern den Mechanismus der Produktion und Reproduktion der Ideologie mit allen ihren Abgründen aufzuzeigen.


3. Die LICA -- was ist das?

"Die Liga gegen den Antisemitismus erklärt jeden zum Antisemiten, der das Wort "Jude" ausspricht (es sei denn im Rahmen der Rituale des Gedenkens an die Opfer). Verweigert die Liga damit nicht jede öffentliche Diskussion, beansprucht sie damit nicht das Recht, ohne jede weitere Begründung bestimmen zu können, wer Antisemit ist und wer nicht?"

Gilles Deleuze, in "Le Juif riche", Le Monde, 18.2.1977, S. 26.

 

Die LICA verfolgt Faurisson wegen Geschichtsfälschung. Es bedarf einer sehr hohen moralischen Qualität, will sich jemand zum eifersüchtigen Wächter der Wahrheit machen. Ich bin durchaus bereit, dieser ehrenwerten Organisation, die ich kaum kenne, einen gewissen Vertrauensvorschuß zu gewähren. Seit 1963, als ich mich an der Gründung eines Anti-Apartheid-Komitees beteiligte, habe ich mehrere Jahre lang "Arbeitsbeziehungen" mit antirassistischen Organisationen unterhalten. Ich kann mich nicht erinnern, in diesem Zusammenhang jemanden von der LICA begegnet zu sein. Aber wir haben gelegentlich mit der MRAP [der Bewegung gegen Rassismus und für die Freundschaft der Völker] zu tun gehabt, und ich meine zu wissen, daß die Beziehungen der MRAP zur LICA nicht gerade von überquellender Herzlichkeit sind. Damit ist der seltsame Ausfall der LICA während gewisser öffentlicher Anti-Apartheid-Aktionen vielleicht zu erklären. Worüber man sich im einzelnen stritt, weiß ich nicht, und es interessiert mich auch nicht besonders. Mich über die LICA ein wenig zu informieren, habe ich mir verschiedene Ausgaben von deren Monatszeitschrift Le Droit de vivre vorgenommen.

Nehmen wir nur die Besprechung des Filmes Voyage au bout de l'enfer von M. Cimino; gewiß nicht, weil vom Kritiker Ukrainer mit Polen verwechselt werden, sondern weil es dort heißt: "das ist mehr als ein ausgezeichneter Film, das ist ein Denkmal" /50/. In meinen Augen ist das ein Denkmal der Dummheit und des Rassismus'. Und es ist sicher nicht erforderlich, durch ein vietnamesisches Reisfeld gekrochen zu sein, das zu begreifen. Die unerträgliche Karikatur brüllender Asiaten, dieser "unmenschlichen gelben Roboter", wie der Kritiker es ausdrückt, ist diesem nicht völlig entgangen: "Michael Cimino macht sich nicht die Mühe, sich in das Leben der Vietnamesen einzufühlen, sich in deren Lage zu versetzen. Aus Desinteresse? Aus Mangel an Themen? Aus Rassismus?". Man läßt es offen. Diese Fragestellung macht einen schwindeln. Daß die Massenmedien diese Fälschungen wie die Ochsen anstaunen, daß diese die gute alte Idee von der "gelben Gefahr" -- nur weil diese Gelben Rote sind -- mit Freuden wieder aufnehmen, ist nur zu normal. Aber daß eine Zeitschrift, deren Lebensinhalt der Kampf gegen den Rassismus ist, sich nicht entschließen kann, den vollkommen offen zutageliegenden Rassismus dieser Superproduktion zu erkennen und zu benennen, das gibt mir zu denken. Der Kritiker schlägt sogar vor, einen Film dieser Art über den Krieg in Algerien zu drehen. Von hier aus schon sehe ich die auf dem Kino kommenden Leute auf den erstbesten Araber losgehen...

Zweite große überraschung: die literarische Kritik bei Droit de vivre liegt in den Händen von Paul Giniewski. Dessen Ansichten, er ist ein 150%iger Zionist, passen offenbar gut zu den sonstigen in dieser Zeitschrift vertretenen Auffassungen. Ob er Bücher abweidet, in welchen gezeigt werden soll, daß der "Antisemitismus Bestandteil der Ideologie der Linken" /51/ ist, ob er die Anarchisten zu Vorläufern Hitlers erklärt, oder entgegen tagtäglicher Erfahrung meint, "die Linke ist von Natur antizionistisch": stets offenbart er eine zumindest konservative politische Haltung. Aber da ist noch anderes. Auf Bücher von ihm über Südafrika bin ich schon vor geraumer Zeit gestoßen, und hatte Gelegenheit, ein paar Perlen daraus aufzuspießen. /52/ Verteidiger der Apartheid gibt es nicht gerade viele in Frankreich. Seinerzeit war Giniewski, von ein paar extremen Rechten abgesehen, der einzige Fürsprecher Pretorias, noch vor Jacques Soustelle. "Helfen muß man Südafrika, statt es anzugreifen" (auf Seite 131 des in der Anmerkung zitierten Werkes), denn für ihn (wie sich das findet!) ist die Apartheid eine Art "verordneter Zionismus", welcher die Rückkehr der Bantus, als deren entschlossener Parteigänger er sich erklärt, in ihre nationale Heimstätten -- jene Bantustans -- zum Ziel hat. Gewiß werden sich die Regierenden Südafrikas ebenso wie die Herren Soustelle und Giniewski dagegen verwahren, als Rassisten bezeichnet zu werden. Wer aber wird leugnen, daß die von ihnen betriebene Politik Ausdruck der höchsten Entwicklungsstufe des Rassimus ist, der eine seiner Wurzeln exakt in der Politik Hitlers hat. Daß in der Redaktion einer Zeitschrift, die ihre DaseinÜberechtigung aus dem Kampf gegen den Rassismus bezieht, ein Mann sitzt, der seine Feder in den Dienst der Apartheid stellt, ist ein Paradox, das mein Fassungsvermögen übersteigt.

Aber vielleicht sind die Leute von der LICA -- wenn auch ihr Antirassismus nicht so recht erkennbar ist -- gewissenhafte Historiker, gestrenge Wächter der Objektivität. Gewiß, es ist noch keine schlimme Sache, wenn der Sturz Idi Amins /53/ als der eines "würdigen Schülers rassistischer Nazis" kommentiert, und dabei vergessen wird, daß Amin mit der tatkräftigen Hilfe der israelischen Dienste an die Macht gelangte, und er sich lange Zeit deren Hilfe und Unterstützung erfreute. Ebenso Bokassa. Ein schlichtes Vergessen wahrscheinlich.

Wenn ich dann aber ein von folgendem Kommentar begleitetes Foto, das beim Gespräch zusammensitzende Araber zeigt, sehe: "Einige der 500.000 unter den Bedingungen vollkommener bürgerlicher Gleichheit in Israel lebenden Nicht-Juden", so muß ich feststellen, daß hier offenbar die Liebe zur Wahrheit anderen Bersorgnissen wich, die ersterer kaum noch Raum lassen. Lese ich dann in dem zum Foto gehörenden Text /54/ die folgenden Zeilen: "Um dem Zionismus eine vergleichbare politische Botschaft entgegensetzen zu können, hat man den sich auf eine vorgebliche Einheit gründenden Panarabismus erfunden, in welchem die unterschiedlichsten Länder zusammengefaßt und vermengt werden", und heißt es dann weiter unten, bei dem illusorischen Begriff der "arabischen Welt handelt es sich um einen offenen oder unterschwelligen Rassismus", so wird klar, daß wir es mit einem zionistischen Propagandabüro zu tun haben, dem die historische Wahrheit einen feuchten Dreck bedeutet. Gleichwohl ließe sich ein Zionismus vorstellen, der diese Art grobschlächtiger Propaganda nicht nötig hätte. Wie alle Doktrinäre aber bedienen sich die Leute von der LICA der Geschichte, falls diese ihnen paßt, und entstellen diese grausam andernfalls. Es ist schon sehr erstaunlich, wie diese Zeitschrift sich "Das Recht zu leben" nennen kann, und gleichzeitig gegenüber den Palästinensern, die doch nichts anderes als dieses "Recht (bei sich) zu leben" wollen, einen derart zügellosen Haß versprüht.

Dieser Haß auf den Feind treibt die LICA jenseits aller Schranken der Gesetzlichkeit. So heißt es beispielsweise: "Francois Brigneau ist für die zivilisierte Gesellschaft schädlich; es wäre unter ökologischem Gesichtpunkt von Vorteil, ihm sein Recht, Wahnvorstellungen zu verbreiten, zu nehmen /55/"; woraus besagter Brigneau als Autor von Minute seinerseits nun das Recht ableiten könnte, entsprechendes im Hinblick auf die LICA zu enmpfehlen. Diese aber geht noch weiter: "Wer in dessen Fußstapfen wandelt [jenen von Darquier de Pellepoix], wird nicht alt werden /56/." Und die LICA ist es, die sich anmaßt zu bestimmen, wer in den Fußstapfen von Darquier wandelt. Soviel ich weiß, nennt man so etwas eine Morddrohung. Soviel ich weiß, ahnden die Gerichte diese Art von Delikten.

Was mich betrifft, so vermag ich nicht recht zu erkennen, womit die LICA sich zum Wächter und Hüter der geschichtlichen Wahrheit qualifiziert hat. Sie vermengt diese ein wenig zu sehr mit politischer Propaganda, und das ergibt mit Sicherheit eine sehr ärgerliche Mischung.

ANMERKUNGEN

47. Libération vom 12.3.1979.

48. Programme communiste, Nr. 11, 19 S., als Broschüre 1979 erneut aufgelegt. (Programme communiste, 20, rue Jean-Bouton, 75012 Paris).

49. De l'eßploitation dans les camps à l'eßploitation des camps, La Guerre sociale, Nr. 3, Juni 1979, S. 9-31.

50. Le Droit de vivre, Mai 1979, S. 35.

51. "Der sozialistische Antisemitismus", Le Droit de vivre, April 1979, S. 35.

52. 1967 schrieb ich folgendes: "Es ist vielleicht ganz nützlich, sich über den Wert von Livre noir--Livre blanc (Paris 1966), der jüngsten Arbeit von Paul Giniewski, dieses Vorsängers der Apartheid in Frankreich, die als "Dokumentation zu Süd-West Afrika" daherkommt, ins Bild zu setzen. Gewisse Bücher bereiten viel Freude, weil man in ihnen alles findet, was man erwartet hat, und sei es die Schaustellung von Dummheit und Gefühllosigkeit im Angesicht geschichtlicher und anthropologischer Sachverhalte (die wahren Völker, das sind die "auserwählten Völker" S. 26, "der Faschismus ist in Windhoek ebenso vergessen wie in Bonn" S. 46. Der Autor legt Wert auf die Feststellung, er sei kein Rassist. Der Beweis: Er protestiert gegen rassische Stereotypen und erklärt: "die große platte Nase des Bantu ist nicht "häßlicher" als die gerade Nase des Europ,ers: denn die Natur ihn mit dieser ausgestattet, weil er mit ihr in den Sümpfen und im feuchten Unterholz seiner Vorfahren am besten atmen kann" S. 185. Derartiges vertritt Giniewski noch immer; eben erst erschien ein Artikel "Skizze einer jüdischen Antwort auf die Neue Rechte" (Le Monde, 3.11.1979, S. 2) in welchem der selbe Satz steht. Nur ist in diesen 13 Jahren aus dem Bantu ein Schwarzer und aus der "Natur" die "Evolution" geworden (Aletheia, April 1967, S. 145-5). Man vergleiche vom selben Autor auch: Une Autre Afrique du Sud: L'Economie sud-africaine; Le Mois en Afrique, Juli 1967; sowie Bantustans, Le Cap, Human et Rousseau, 1961; Une autre Afrique de Sud, Berger-Levrault, 1962; The Two Faces of Apartheid, Chicago, Regnery, 1965; Livre noir--livre blanc, Berger-Levrault, 1966; L'An prochain a Umtata, Berger-Levrault, 1975.

53. Le Droit de vivre, Mai 1979.

54. Albert Stara: "Rassismus gegen den Frieden", Le Droit de vivre, Mai 1979.

55. Le Droit de vivre, März 1979, S. 4.

56. Chronik von Raphael Jerusalmy, Le Droit de vivre, Dezember 1979, S. 23.

ENDE TEIL 10


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Zweiter Teil, Kapitel 4, Teil 2, "Der Unterrricht als Trauerspiel" von Historische Warheit oder Politische Wahrheit ? Die Macht der Medien : Der Fall Faurisson, Berlin, 1994, Verlag der Freunde, Postfach 350264, 10211 Berlin, S. 5-21. Uebertragung aus Franzoesisch von Andreas Wolkenpfosten. ISBN 3-9803896-0-X. Es ist besser das Buch von den Verlag zu kaufen.

Originalausgabe : Serge Thion, Vérité historique ou vérité politique, Paris, La Vieille Taupe, 1980. Reproduction is authorized.

Diesen Text stellt Ihnen AAARGH in 1997 für die wissenschaftliche Forschung, zu Bildungszwecken und verwandten Anwendungen zur Verfügung. AAARGH Internattionale Büro (Vereinigung langjähriger Konsumenten von Berichten über den Krieg und den Holokaust) ist per eMail zu erreichen unter "aaarghinternational-hotmail.com". Durch Post kann man uns auch schreiben: PO Box 81475, Chicago, IL 60681-0475, USA. Post: PO Box 81475, Chicago, IL 60681-0475, USA.
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ARTIKEL 19 der Menschenrechte: <Jederman hat das Recht auf Freiheit der Meinung und der Meinungsäußerung; dieses Recht umfaßt die unbehinderte Meinungsfreiheit und die Freiheit, ohne Rücksicht auf Staatsgrenzen Informationen und Gedankengut durch Mittel jeder Art sich zu beschaffen, zu empfangen und weiterzugeben.>
Vereinigten Nationen, 10 Dezember 1948.



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