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Serge Thion

Historische Wahrheit oder Politische Wahrheit?

Die Macht der Medien: der Fall Faurisson

 

Zweiter Teil

Kapitel III

Der Skandal bricht los

(Folge)

All diese Beschreibungen stimmen sowohl im Hinblick auf die topografische Lage dieser Gaskammern in Birkenau, als auch im Hinblick auf ihre Zahl, auf den Zeitpunkt der "Inbetriebnahme", auf die Verwendung von "Zyklon B" und, selbstverständlich, hinsichtlich deren Einsatzes zur Tötung von Menschen, überein.

Was Herrn Faurisson nicht daran hindert, uns im Ton eines in Sachen Massenmord gerüsteten Spezialisten zu erklären, daß deren Anwendung "sich für die, die sie durchführten, wie auch für die Umgebung, zu einer Katastrophe entwickelt hätte... um sofort (hervorgehoben von ihm) nach dem Tod der Opfer, in den mit Blausäure gesättigten Raum ein Kommando... zu schicken, das keine Gasmasken trägt." Da doch, wie er sagt, "das Zyklon B nur durch eine äußerst starke Ventilation zu entfernen war".

Das alles ist nichts als angeberisches Geschwätz eines Spezialisten für die Kritik literarischer Texte, der sich für einen Fachmann in Sachen Massenmord hält. Andere Leute vom Fach, ungleich besser vorbereitet, waren da ganz anderer Auffassung. Im oben zitierten Brief vom 29.1.1943 steht: "Das Unternehmen Topf u. Söhne konnte infolge Waggonsperre die Be- und Entlüftungsanlage nicht wie von der Zentralbauleitung gefordert rechtzeitig anliefern. Nach Eintreffen der Be- und Entlüftungsanlage wird jedoch mit dem Einbau sofort begonnen, sodass veraussichtlich am 20.2.43 die Anlage vollständig betriebsfertig ist." Pery Broad, Höß und die anderen sagen alle, daß die Leichen, "nachdem (...) das Gas durch den Exhaustor abgesaugt worden ist" (Broad), herausgeholt wurden. "Eine halbe Stunde [nach der Vergasung -- G.W.] wurde der elektrische Ventilator eingeschaltet und die Leichen mit einem Aufzug zum Ofen gebracht" (Höß vor den Briten) usw.

Ich weiß nicht, ob Faurisson Antisemit und Anhänger der Nazis ist. Er erklärt, es nicht zu sein. Was ich aber weiß, ist, daß, wenn er es wäre, er nicht hätte mehr tun können, nichts besseres hätte tun können um die Juden zu verleumden und zu beleidigen, als sie als Fälscher zu behandeln und die Nazis in dem Punkt, in dem sie am abscheulichsten und empörendsten waren, für unschuldig zu erklären.

Meine Worte richten sich nicht an die Fanatiker, denn es gibt keinerlei Hoffnung, sie zu überzeugen, wovon auch immer. Sie richten sich an gutwillige Männer und Frauen, die in Unkenntnis der Tatsachen gefahrlaufen, ihr Ohr den betrügerischen Behauptungen der Apologeten des Nazismus zu leihen.

Am folgenden Tag bringt die gleiche Zeitung unter dem Titel "Die Endlösung" einen langen Aufsatz von Olga Wormser-Migot, in dem diese in groben Zügen die traditionellen Thesen wiedergibt. Es findet sich dort auch eine Antwort Herrn Bernadets, des Präsidenten von Lyon 2, sowie ein Zeugnis von Dr. Chretien zum Lager Struthof:

Ein Zeugnis

Dr. Hirt, Professor der Anatomie, von 1941 bis 1944 Direktor des anatomischen Institutes in Straßburg, wünschte sich eine Sammlung jüdischer Schädel aufzubauen. Um in gutem Zustand befindliche Skelette zu erhalten, wandte sich dieser Wissenschaftler also an Himmler, lebende Juden zu bekommen (man hat den gesamten Briefwechsel wiedergefunden). Die SS lieferte ihm also 57 Männer und 30 Frauen ins Konzentrationslager Natzweiler, die in Block 13 untergebracht wurden, vom übrigen Lager durch Stacheldraht isoliert. Die französischen Gefangenen vom Juli 1943 (die Nummern zwischen 4300 und 4500) haben sie gesehen (all diese französischen Gefangenen, darunter ich, sind noch am Leben). Im August 1943 leerte sich eines Nachts der Block - französische Deportierte wurden anschließend dorthin gebracht. Und die Krankenwärter des Lagers vertrauten uns im Geheimen an, daß deren Bewohner und Bewohnerinnen in die Gaskammer von Struthof gebracht wurden.

Tatsächlich empfing Henry Pierre, ein elsässischer Angestellter des Strasburger anatomischen Instituts, im August 1943 siebenundachtzig Leichen (und entdeckte die auf den Unterarm tätowierten Häftlingsnummern von Auschwitz). Der gelehrte Professor Hirt befahl ihm zu schweigen: "Wenn du nicht den Mund hältst, Pierre, wird es dir ebenso ergehen."

Die Zeiten waren hart, die schwierige Arbeit der Abtrennung des Fleisches zur Skelletierung konnte nicht in der vorgesehenen Zeit geleistet werden, die Alliierten rückten vor und die Kriminellen drehten immer mehr durch. Die Dokumente lassen das Bemühen, die Spuren dieses monströsen Verbrechens zu verwischen, deutlich werden.

Die französischen Truppen kamen an. Ein Teil der Leichen, die noch nicht auseinandergenommen waren, wurde gefunden. Sie wurden von Professor Simonin untersucht und fotografiert.

Der in Bergen-Belsen gefangengesetzte Kommandant von Natzweiler im Jahre 1943, Joseph Kramer, hat gegenüber dem Kommandanten Jadin vom Militärgericht des 10. Abschnitts ausführlich beschrieben, wie er, er selbst, nach den Anweisungen des hervorragenden Professors Hirt die 87 Unglücklichen mittels Gas in der in einem Bauernhaus in Struthof eingerichteten Kammer getötet habe.

In dieser Gaskammer sind weitere Opfer umgekommen: es sind Beweise (schriftliche Erklärungen und Zeugenaussagen) ihrer Nutzung vorhanden, unter anderem hinsichtlich des Einsatzes von Senfgas.

Den Lügnern und Fälschern aber (die, statt um ihr "Recht auf Gegendarstellung" zu streiten, mich vor Gericht wegen Beleidigung und Verleumdung anzeigen sollten: ich warte darauf), gilt es ins Gedächtnis zu rufen, daß die Nazis dasä was sie sich auf französischem Gebiet (Natzweiler-Struthof liegt im Elsaß) in handwerklichem Maßstab erlaubten, in Auschwitz-Birkenau, Majdanek usw. auf industrieller Stufenleiter betrieben haben.

Die Überlebenden der Konzentrationslager, die Verwandten der Millionen Opfer, die in den Gaskammern verröchelten, werden immer weniger. Sie würden wohl wünschen, daß die Schüler Professor Hirts sich nicht mit akademischen Titeln französischer Universitäten schmückten.

Dr. H. Chretien; Gefangener Nr. 4468 von Natzweiler. Witwer von Rachel Zacharewicz, die in Auschwitz-Birkenau mit dem Transport vom 2.9.1943 vergast wurde.

Am 16. Januar erscheint eine Antwort R. Faurissons, aus der ich bereits weiter oben die ersten Zeilen zitierte ("Bis 1960 habe ich an Realität der gigantischen Massaker in den "Gaskammern" geglaubt..."):

Ich habe die Entgegnungen, die mein kurzer Aufsatz zum "Gerücht von Auschwitz" hervorgerufen hat, während meiner achtzehnjährigen Forschung mehr als einmal gelesen. Ich will die Aufrichtigkeit der Autoren nicht in Frage stellen, wohl aber darauf hinweisen, daß diese Antworten von Fehlern wimmeln, auf die Rassinier, Scheidl, Butz und andere bereits vor langem aufmerksam gemacht haben.

So bedeutet in dem mit zitierten Brief vom 29.1.1943 (ein Brief, der nicht einmal, wie üblich, den Vermerk "geheim" trägt) Vergasung lediglich Verkohlung, Karburation. Mit Vergasungskeller ist der im Keller liegende Ort gemeint, an dem das gasförmige Brennstoffgemisch zur Befeuerung der Krematoriumsöfen bereitet wurde. Diese Öfen kamen, mitsamt der Belüftungs- und Entlüftungseinrichtungen, aus dem Hause Topf & Söhne, Erfurt (NO-4473).

Unter Begasung ist die der Kleidung in den Autoklaven zu verstehen. Falls das verwendete Gas Zyklon B war, -- "B" wie Blausäure --, sprach man von Blaugaskammern. Das hat mit den angeblichen Gaskammer-Schlachthöfen nichts zu tun!

Das Tagebuch des Arztes Johann Paul Kremer sollte korrekt zitiert werden. Man würde dann bemerken, daß es sich, wenn er von den Schrecken in Auschwitz spricht, um eine Anspielung auf die Typhus-Epidemie von September-Oktober 1942 handelt. Am 3.10.1942 schreibt er: "In Auschwitz liegen ganze Straßenzüge an Typhus darnieder". Er selbst infizierte sich mit dem, das er die "Auschwitzer Krankheit" nannte. Deutsche starben an ihr. Die Gesunden von den Kranken zu trennen, wurden die "Selektionen" durchgeführt, bzw. diese "Sonderaktion" des Arztes. Diese Trennung wurde sowohl innerhalb, wie auch außerhalb der Gebäude durchgeführt. Niemals hat Kremer, der Terminologie der Alliierten entsprechend, geschrieben, Auschwitz sei ein Vernichtungslager gewesen (worunter man ein mit einer "Gaskammer" ausgerüstetes Lager versteht). Was er schrieb, war: "Umsonst wird Auschwitz nicht das Lager der Vernichtung genannt!" Der Typhus, im etymologischen Sinne des Wortes, vernichtet diejenigen, die er befällt. Weitere schwerer Fehler beim Zitieren: unter dem Datum 2. September 1942 steht im Manuskript Kremers: "Zum 1. Male draußen um 3 Uhr früh bei einer Sonderaktion zugegen." Geschichtsschreiber, Richter und Staatsanwälte unterdrücken traditionellerweise das Wort "draußen", um so Kremer sagen zu lassen, diese Aktion trüge sich in einer "Gaskammer" zu. Bei der schauerlichen Szene vor dem "letzten Bunker" schließlich (gemeint ist der Hof des Bunkers 11) handelt es sich um Hinrichtungen zum Tode Verurteilter, an denen er als Arzt teilzunehmen verpflichtet war. Unter den Verurteilten befinden sich drei Frauen, die mit einem Transport aus Holland gekommen waren: sie werden erschossen (a).

Die Gebäude der Krematorien von Birkenau waren den Blicken aller vollkommen zugänglich (b). Dies beweisen viele Pläne und Fotos, die gleichermaßen die absolute Unmöglichkeit des Vorhandenseins von "Gaskammern" in diesen "Kremas" schon vom Technischen her beweisen.

Sollte man mir noch einmal mit Geständnissen zu Auschwitz kommmen, mit Erinnerungen oder auf wunderbare Weise wiederaufgefundenen Manuskripten (alles Dokumente, die ich bereits kenne), so möge man mir bitte zeigen, inwiefern sich deren genaue Ungenauigkeit von den genauen Ungenauigkeiten all der Dokumente unterscheidet, die den alliierten Militärgerichten Auskunft von "Gaskammern" an Orten gaben, für die man schließlich anerkannte, daß es dort keine gab: beispielsweise im gesamten Altreich!

Ich habe die Nummern NI-9098 und 9912 aus den Industriellenprozessen zitiert. Man sollte das lesen, bevor man mir die "Zeugnisse" eines Pery Broad, eines R. Höß oder, warum nicht, das, was J.P. Kremer nach dem Krieg "gestanden" hat, entgegenhält. Aus diesen Unterlagen geht hervor, daß Zyklon B nicht zu den ventilierbaren Gasen gehört; dessen Hersteller mußten einräumen: "Lüftbarkeit wegen starken Haftvermögens des Gases an Oberflächen erschwert". Ein durch das Zyklon B mit Blausäure kontaminierter Raum kann nur mit einer Gasmaske mit Filter "J" -- der stärksten Schutz bietet -- betreten werden, und auch erst nach vierundzwanzig Stunden und nachdem durch einen chemischen Test die vollständige Entfernung des Gases festgetellt ist (c). Matratzen und Decken müssen ein bis zwei Stunden lang in frischer Luft ausgeklopft werden. Höß aber schreibt: "Eine halbe Stunde nach dem Einwurf des Gases wurde die Tür geöffnet und die Entlüftungsanlage eingeschaltet. Es wurde sofort mit dem Herausziehen der Leichen begonnen.(d)" Sofort! "Beim Leichenschleppen aßen sie oder rauchten", fügt Höß mit Bezug auf das Kommando, das mehr als zweitausend Leichen herauszuräumen und zu behandeln hatte, hinzu. Und all das, wenn ich es recht verstehe, ohne Gasmasken zu tragen. Das ist unmöglich. All diese Zeugnisse, so verschwommen und unvereinbar sie sonst auch sein mögen (e), in einem Punkt wenigstens stimmen sie überein: das Kommando hätte den Ort entweder unmittelbar oder "kurz nach" dem Tod der Opfer betreten. Ich sage, daß dieser Punkt, er allein den "Prüfstein falschen Zeugnisses" bildet.

Die "Gaskammer" von Struthof im Elsaß zu besichtigen, ist interessant. Das Bekenntnis von Josef Kramer ist dort vor Ort zu lesen. Ein "Loch" (sic) war es, durch welches Kramer "eine gewisse Menge eines Cyanhydridsalzes warf", und danach "eine gewisse Menge Wasser": das zusammen setzte ein etwa binnen einer Minute tödlich wirkendes Gas frei. Das "Loch", das man heute sieht, ist ziemlich grob mit ein paar Meiselschlägen gehauen worden, vier Kacheln gingen dabei zu Bruch. Kramer bediente sich eines "mit einem Hahn versehenen Trichters". Ich kann weder erkennen, wie er das Gas daran hätte hindern sollen, durch das grobe Loch zurückzuströmen, noch wie er hätte zulassen können, daß das durch den Schornstein abgeführte Gas vor die Fenster seiner Villa strömte. Man sehe sich auch in einen in der Nähe liegenden Raum an und erkläre mir, wie sich die Geschichte mit den in "Formalinfässern" konservierten Leichen für den Professor Hirt zugetragen haben soll, die tatsächlich nichts als schlichte Kraut- und Kartoffelkübel mit Holzdeckeln und ohne jede Abdichtung sind.

Die banalste Waffe wird, falls sie im Verdacht steht, jemanden getötet oder verletzt zu haben, zum Gegenstand gerichtlicher Untersuchung. Man stellt mit Überraschung fest, daß solche erstaunlichen Werkzeuge des Verbrechens, wie diese "Gaskammern" es sind, niemals Gegenstand einer offiziellen Expertise waren (sei es unter juristischem, wissenschaftlichem oder archäologischem Gesichtspunkt), deren Ergebnis man zur Kenntnis nehmen könnte (f).

Hätten unglücklicherweise die Deutschen den Krieg gewonnen, so würden uns ihre Konzentrationslager heute vermutlich als Umerziehungslager vorgestellt werden. Diese Art von Presentation kritisierend, wäre ich vermutlich beschuldigt worden, "objektiv dem Judeo-Marxismus in die Hände zu spielen". Aber weder objektiv noch subjektiv bin ich Judeomarxist oder Neonazi. Ich empfinde für jene Franzosen, die mutig gegen den Nazismus gekämpft haben, Bewunderung. Sie haben die gute Sache verteidigt. Wenn ich heute erkläre, daß die "Gaskammern" nicht existiert haben, so ist es die schwierige Verpflichtung zur Wahrheit, die mir auferlegt, es zu sagen.

[Wir veröffentlichen diesen Text von Herrn Faurisson in Übereinstimmung mit dem Gesetz vom 29.7.1881. Jede sich darauf beziehende Antwort gäbe ihm zu seinem Vorteil ein erneutes Recht auf Gegendarstellung. Die mit den Erklärungen von Darquier de Pellepoix eröffnete Diskussion betrachten wir damit keineswegs als abgeschlossen.]

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(a) Edition du musée d'Oswiecim: Auschwitz vu par les S.S., 1974, S. 238, Anm. 85.

(b) Gegenüber den Krematorien soll sich H. Langbein zufolge ein Fußballplatz befunden haben: Hommes et femmes a Auschwitz. Paris 1975, Fayard, S. 129.

(c) Die französische Vorschrift für den Umgang mit Zyklon B ist ebenso strikt wie die deutsche: man vergleiche Dekret 50-1290 des Ministere de la Santé publique vom 18.10.1950.

(d) Kommandant in Auschwitz. Autobiographische Aufzeichnungen von Rudolf Höß. Eingeleitet und kommentiert von Martin Broszat, Stuttgart 1958, Deutsche Verlags- Anstalt, S. 126 und 166.

(e) Justiz und Verbrechen, University Press Amsterdam, 1975, Bd. XIII, S. 134 und 135.

(f) Die allgemeine Gläubigkeit gibt sich schon mit wenigem zufrieden: man zeigt eine mit einem starken Riegel und einem Guckloch versehene Tür und schon stehen Sie vor... einer "Gaskammer"!

G. Wellers antwortet Faurisson, ohne ihn namentlich zu nennen, am 21.2.1979 in Le Monde.

Ein geistreicher Roman

Vor einigen Wochen hat sich die Diskussion um die Gaskammern in den Konzentrationslagern der Nazis, deren Existenz von bestimmten Personen geleugnet wird, erneut entzündet. Derartiges zu wagen, gilt es die in den fünziger Jahren von einem gewissen P. Rassinier erfundenen Regeln historischer Arbeit zu befolgen. Es geht um Fragestellungen, die besonders widerwärtige und dramatische Seiten des nationalsozialistischen Regimes berühren, insbesondere zum "GULag" Hitlers, der wie alle irgendwo existierenden GULags sich unter einem dicken Mantel von Geheimhaltungen verbarg. Was man darüber weiß, rührt von den Zeugnissen der Opfer oder der Henker her, und die offiziellen Dokumente, oft in einer verharmlosenden Sprache, mit verharmlosenden Worten geschrieben, verdecken die empörendsten, die unausprechlichen Realitäten. Diese Wirklichkeit wiederzufinden, ist eine bis in Detail genaue Arbeit der Sicherung, der Gegenüberstellung und erneuter Zuordnung zu leisten.

Rassinier und seine Nachahmer verfahren nach sehr einfachen und praktischen Regeln. Deren erste besteht darin, alle mehr oder weniger störenden Zeugnisse unter zwei Vorwänden beiseitezuschieben: sollten die Zeugnisse übereinstimmen, so werden sie für wertlos erklärt; sei es, weil sie aufgrund von Absprachen entsprechend der Interessenübereinstimmung der Zeugen zustande kamen, sei es, weil sie unter der Folter oder im Ergebnis von Versprechungen erlangt wurden. Stimmen die Zeugnisse nicht überein, sind die Zeugen offensichtlich Lügner. Die zweite Regel besteht darin, allen Beschönigungen der offiziellen, zum Verdecken der Wahrheit erfundenen Sprache bis auf den Buchstaben zu folgen.

Man fragt sich vielleicht: was kann man unter diesen Umständen an halbwegs Nachvollziehbarem schreiben? Die Antwort ist einfach: einen Roman, dessen Autor entschlossen als Wahrheit ausgibt, was ihm gefällt. Sollte er über "Autorität" und Geschick verfügen, mag der Trick sogar gelingen.

Im folgenden eine konkrete Illustration dieses kürzlich von einem Schüler Rassiniers angewendeten Verfahrens.

Seit 1940 hat der SS-Arzt Kremer ein persönliches Tagebuch geführt, in das er verschiedene Ereignisse seiner Lebens eintrug, und welches am 11.8.1945, dem Tag seiner Festnahme in der englischen Besatzungszone, endete. Man hat das Tagebuch bei der Durchsuchung seiner Wohnung entdeckt. Zwischen dem 29.8. und dem 18.11.1942 war Kremer ins Lager Auschwitz beordert, wo er an 14 Sonderaktionen teilnahm, die er kurz in seinem Tagebuch vermerkte. Unter dem Datum 18.10.1942 steht dort: "Bei naßkaltem Wetter heute Sonntagmorgen bei der 11. Sonderaktion (Holländer) zugegen. Gräßliche Scenen bei drei Frauen, die ums nackte Leben flehen." Das ist alles, was das Tagebuch Kremers mitteilt.

Ein von Berufs wegen umsichtiger Historiker wird sich zunächst in die Archive des Lagers Auschwitz begeben, wo er Dokumente finden wird, die deutlich machen, daß in der Tat am 18.10.1942 ein Transport von 1710 Personen aus dem holländischen Lager Westerbork ankam. Kremer hat also nichts erfunden. Unser Historiker wird sodann auf den Gedanken kommen, daß es sich bei der "Sonderaktion" um eine für das Leben dieser Leute bedrohlichen Sache handelt, denn drei Frauen baten darum, ihnen dieses zu lassen. Aus den Archiven geht hervor, daß von diesem Transport 116 Personen, ausschließlich Frauen, in das Lager kamen. Im Hinblick auf das Schicksal der 1594 anderen dagegen schweigen die Aufzeichnungen: sie sind nicht in das Lager aufgenommen worden, sie sind nicht wieder verladen und woanders hin transportiert worden. Sie sind verschwunden. Damit hören die Gewißheiten auf.

Aber unser Nacheiferer Rassiniers hat so seine Ideen in der Angelegenheit. In der Tat, er schreibt: "Bei der schauerlichen Szene vor dem ''letzten Bunker'' handelt es sich um Hinrichtungen zu Tode Verurteilter... an denen er als Arzt teilzunehmen verpflichtet war. Unter den Verurteilten befinden sich drei Frauen, die mit einem Transport aus Holland gekommen waren: sie werden erschossen." Woher nimmt er das alles? Kremer schreibt am 18.10.1942 weder etwas über zum Tode Verurteilte, noch über die genannten drei, oder über andere Frauen, noch über das Schicksal, das die ersteren erwartete. Ein reiner Roman? Gewiß, aber ein Roman, der den riesigen Vorzug hat, dem irregeführten Leser weiszumachen, daß die "Sonderaktion" nichts mit den angeblichen "Selektionen für die Gaskammern" zu tun habe und es sich bei den drei Frauen um "zum Tode Verurteilte" (durch wenn, wann und warum?) handelte, die aus diesem Grund erschossen wurden. Alles ganz normal, nicht wahr?

Dieser Roman verät gewiß einige Begabung. Tatsächlich ist der Doktor Kremer nach seiner Festnahme im August 1945 von den Engländern an die Polen ausgeliefert worden, um dort zusammen mit 38 weiteren SS-Leuten der Wachmannschaft von Auschwitz in Krakau vor Gericht gestellt zu werden. Im Verlauf der Untersuchung, genau gesagt am 18.10.1947, wird er zu seinem Eintrag vom 18.7.1942 befragt, und antwortet: "Im Verlauf der von mir im Tagebuch 18.10.1942 beschriebenen Sonderaktion wollten drei Frauen aus Holland nicht in die Gaskammer gehen und flehten um ihr Leben. Es waren gesunde junge Frauen, trotzdem wurden ihre Bitten nicht erhört, sondern SS-Männer, die an der Aktion teilnahmen, erschossen sie an Ort und Stelle" (a). Unser Romanschreiber kennt den Text dieser Niederschrift sehr gut, er nennt die Quelle, gibt aber einzig die Tatsache wieder, daß die drei Frauen erschossen worden sind; den Rest enthält er dem Leser vor: nicht die geringste Anspielung im Hinblick auf die Gaskammern, nichts zur Ermordung an Ort und Stelle, nichts über den offentsichtlichen Sinn des Wortes "Sonderaktion". Er führt also den Leser wissentlich in die Irre! Indes doch ein anderer SS-Mann, der ehemalige Auschwitz-Kommandant Höß, über die Selektionen bei der Ankunft der Transporte - ohne ein Wort Kremers zu kennen - geschrieben hat: "Machte sich Unruhe bemerkbar, so wurden die Unruheverbreiter unauffällig hinter das Haus geführt und dort mit dem Kleinkalibergewehr getötet, das war von den anderen nicht zu vernehmen." (Seite 67) Höß bestätigt damit Kremer.

Der Kreis scheint damit geschlossen; der irreführende, skandalöse Charakter der Literatur unseres Romanciers, der sich als ein gewissenhafter "Wahrheitssucher" gibt, scheint aufgezeigt. Aber nein, keineswegs! Der Romancier ergreift die Flucht nach vorn und erklärt, man möge ihm nicht die Zeugnisse von Pery Broad und R. Höß entgegenhalten, oder, warum nicht, die "Geständnisse" J.P. Kremers nach dem Kriege. Unser Romanschreiber verwirft auf diese Weise alle ihm mißfallenden Quellen, schöpft jedoch aus dem "Geständis" Kremers ganz nach Belieben den Hinweis auf die Hinrichtung der drei unglücklichen Frauen, denn diese Auskunft paßt ihm. Möge der Leser derart Vorgehen selbst beurteilen...

Das Zyklon B Ein weiteres Beispiel: unser Erzähler hält sich lange mit der technischen Unmöglichkeit des Einsatzes von Zyklon B auf Basis von Blausäure als Mordwerkzeug in den Gaskammern auf. Warum? Weil "das Zyklon B nicht zu den ventilierbaren Gasen gehört" habe (sic!) und das Kommando, das die Leichen herauszuräumen hatte, den mit Dämpfen gesättigten Ort weder "sofort" oder "kurz nach" dem Tod der Opfer betreten konnte. Zur Stützung dieser Argumentation wird ein Dokument zitiert, in welchem der Hersteller auf das "Haftvermögen des Gases an Oberflächen" eingeht und auf die Notwendigkeit spezieller Vorkehrungen zu dessen Entfernung hinweist (NI 9098). Aber in diesem Dokument bezieht sich der Hersteller auf die Desinfektion von Räumen in einem Wohnhaus, die voller Möbel, Matratzen, Kleidung usw. sind. In den Gaskammern von Auschwitz gab es nur Decke, Boden, die vier Wände, und einen Haufen nackter Menschen. Unter diesen Bedingungen war die Konzentration der in der Atmosphäre verbliebenen schädlichen Dämpfe, wegen der Absorbtion dieser Dämpfe in hunderten Lungen und als Folge energischer Ventilation durch eine "Be- und Entlüftungseinrichtung", ohne Zweifel unvergleichlich schwächer, als in einer mit verschiedenen Gegenständen gefüllten Wohnung. Eine Gefahr für die Angehörigen des Sonderkommandos bestand gleichwohl; diese Gefahr gehörte zu den geringsten Sorgen von Höß & Genossen.

Schließlich teilt unser Autor uns seine Enttäuschung beim Besuch zweier Gaskammern mit: der von Majdanek und jener von Struthof. Er findet diese "erstaunlichen Werkzeuge des Verbrechens" ohne jede Größe. Man fragt sich, was für eine Vorstellung er von diesen "Werkzeugen des Verbrechens" denn vor seinen Besichtigungen hatte. Gewiß hätte er etwas davon lesen können, daß alles getan war, die in eine Gaskammer eintretenden zu täuschen, daß deren Anblick mit Absicht banal gehalten wurde. Es ist richtig, es handelt sich um "falsche Zeugnisse". Aber in diesem Fall scheint mir, daß man ihnen insofern glauben kann, als offenkundig ist, daß die SS sehr daran interessiert war, die zukünftigen Opfer ruhig zu halten und Durcheinander, Aufregungen oder gar Revolten zu vermeiden. Auf der anderen Seite hat unser Autor offenbar niemals in Erwägung gezogen, daß es unter den verschiedenen "Werkzeugen des Verbrechens" viel leichter ist, eine Gaskammer herzustellen, als ein Messer oder eine schlimme Pistole. Die Selbstmörder mittels Gas schließen in der Tat einfach die Fenster und Türen ihrer Wohnung, öffnen den Gashahn, und sterben in einer binnen einer Minute improvisierten Gaskammer.

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(a) Auschwitz in den Augen der SS. Warschau 1992, S. 160.

 

Als Antwort auf eine bezahlte Anzeige von Droit du vivre (Das Recht zu leben) schließlich, derzufolge "der Professor Faurisson von der LICA bei Gericht angezeigt /25/" wurde, schickt er folgenden Text, der lediglich auszugsweise veröffentlicht wird, vielleicht um ihm nicht mehr Raum zu geben als der inkriminierten Anzeige (23.3.1979):

Für eine wahrhaftige Diskussion über die "Gaskammern"

Herr Wellers, der mich als Romancier behandelt, weicht meiner Argumentation, insbesondere jener zur technischen Unmöglichkeit der Vergasung, aus. Wäre Zyklon B in dieser angeblichen Gaskammer von 210 Quadratmetern (in Wirklichkeit: eine simple Leichenhalle) zur Anwendung gekommen, so hätte es an Decke, Boden und den vier Wänden gehaftet. Es wäre in die Leichen der Opfer, in deren Schleimhäute eingedrungen (so wie es in Wirklichkeit die zu desinfizierenden Matratzen und Decken eindrang, die eine Stunde lang an der frischen Luft ausgeklopft werden mußten, um das Gas zu entfernen). Das mit dem Herausholen der 2000 Leichen aus der "Gaskammer" beauftragte Kommando wäre seinerseits den Erstickungstod gestorben. Es hätte sich, ohne Gasmasken zu tragen, geradezu in ein Blausäuredampfbad stürzen müssen, um die von den Resten des tödlichen Gases noch ganz und gar durchdrungenen Leichen zu behandeln. Ich vernehme hierzu, Höß habe die Gesundheit der Angehörigen dieses Kommandos wenig gekümmert. Es sei so! Wenn diese Leute aber nicht hätten ihre Arbeit machen können, so vermag ich nicht zu erkennen, wer dann die "Gaskammer" ausgeräumt und Platz für die nächste Lieferung geschaffen hätte. Was die "Be- und Entlüftungseinrichtung" angeht, so wiederhole ich, daß es sich um jene für die Öfen des Krematoriums handelt, wie das Dokument NO-4473 bestätigt. Im übrigen ist in einem riesigen Raum die "Lüftbarkeit" des Zyklon B erschwert, darüber hinaus ist es explosiv: man wendet Blausäure in der Nähe eines Ofens nicht an!

Wenn Kremer und seine Richter von der Erschießung dreier Frauen in Auschwitz sprechen, so sagen sie nichts unwahrscheinliches. Dagegen, wenn Kremer seinen Richtern erklärt, er habe an einer Vergasung teilgenommen, aber nur von fern, in seinem Auto sitzend, glaube ich es nicht mehr. Er sagt in der Tat des weiteren, die "Gaskammer" sei "einige Zeit" nach dem Tod der Opfer wieder geöffnet worden (a). Hierin liegt eine ins Auge springende technische Unmöglichkeit, auf die ich nicht nochmals eingehen möchte. Und stelle zudem fest, daß man bei dem Versuch, uns das "Geständis" - jenes von Kremer - zu erklären, sich auf ein anderes "Geständnis" stützt, rein zufällig auf jenes von Höß. Unglücklicherweise stehen diese beiden Zeugnisse sich eher gegenseitig im Wege, als daß sie sich zu bekräftigen vermögen. Man sehe sich die Beschreibung der Opfer, der Umstände, der Exekutanten und der Art der Hinrichtung genauer an.

Man empfindet meine Forderung nach einer Untersuchung der "Werkzeuge des Verbrechens", welche diese "Gaskammern" gewesen sein sollen, als einen Scherz. Man bedeutet mir, daß eine Gaskammer binnen einer Minute in einer schlichten Wohnung zu improvisieren wäre. Das ist ein Irrtum. Ein Schlafzimmer kann nicht zur Gaskammer werden. Ein willentlich herbeigeführter oder als Folge eines Unfalls erlittener Erstickungstod hat mit einer Hinrichtung mittels Gas nichts gemein. Wer gleich eine ganze Menge Opfer zu töten wünscht -- mit welchem Gas auch immer, und vor allem bei Zyklon B --, ohne zu riskieren, selbst getötet zu werden, eine Explosion herbeizuführen usw., benötigt dazu eine extrem komplizierte Maschinerie. An die Existenz dieser Schlachthöfe für Menschen, welche diese "Gaskammern" gewesen wären, zu glauben, wird immer schwieriger. Die erst kürzlich veröffentlichten Luftaufnahmen von Auschwitz und Birkenau (vorgelegt von den Amerikanern Dino A. Brugioni und Robert G. Poirier, 19 Seiten, 14 Fotos) könnten der Vernichtungslegende leicht den Gnadenstoß versetzt haben. Man besaß bereits eine ziemlich große Zahl an Fotografien der "Kremas" von Auschwitz und Birkenau, die Pläne nicht eingerechnet. Die Lage und die Art der Gebäude scheinen einen eventuellen kriminellen Gebrauch auszuschließen. Die Luftaufnahmen bestätigen diesen Eindruck. Die Amerikanr erklärten ihr Erstaunen, selbst auf dem Höhepunkt dessen, was sie "Zeitraum der Vernichtung" nennen, im Jahre 1944, weder diesen Rauch noch diese Flammen erkennen zu können, die doch "ständig aus den Schornsteinen der Krematorien schlugen und noch in einer Entfernung von mehreren Kilometern zu sehen waren". Dies bemerkten sie bezüglich des Fotos vom 25.8.1944 - einen Tag nach der Ankunft eines "zur Vernichtung" bestimmten Transports (b) -, aber man darf dies wohl auch auf andere Fotos beziehen: auf die vom 4.4., 26.6., 26.7., und vom 13.9.1944. Der revisionistische Historiker Arthur R. Butz hatte 1976 vorausschauend geschrieben, daß die Alliierten in Anbetracht der Hochtechnologieforschungen, die von den Deutschen in den Anlagen von Auschwitz betrieben wurden, in ihren Archiven gewiß über Luftaufnahmen des Lagers verfügten (c). Daß man es nicht sonderlich eilig hat - fügte er hinzu -, uns die Existenz dieser Fotos bekanntzugeben, liegt vermutlich daran, daß diese keinerlei Beweise zur Stützung der gegen die Deutschen erhobenen Anklagen lieferten.

Französische Geschichtsschreiber verurteilen unter Aufbietung all ihrer Gelehrsamkeit jeden, der sich erlaubt, die Existenz der "Gaskammern" in Zweifel zu ziehen. Seit vier Monaten kann ich an meiner Universität keine Lehrveranstaltungen durchführen. Die LICA hat mich vor Gericht wegen "Geschichtsfälschung" angeklagt und verlangt von den Verantwortlichen, mich "bis zum Entscheid des Gerichtes von aller Lehrtätigkeit zu suspendieren (d)". Niemand aber, soweit ich sehe, wagt es, sich der Diskussion mit den vollkommen gleichen Waffen zu stellen. Dabei wäre meinem Vorschlag sehr einfach Genüge zu tun. Ich bitte darum, daß, bevor irgendeine Beschuldigung öffentlich geäußert wird, mittels des üblichen Verfahrens historischer Analyse der Beweis, ein einziger präziser Beweis für die gegen Deutschland im Zusammenhang mit den "Gaskammern" vorgetragenen Beschuldigungen, untersucht werde. Man möge mir beispielsweise unter all den "Gaskammern", die man Pilgern und Touristen besichtigen läßt, eine bezeichnen, die ihrer Meinung nach zu irgendeiner Zeit tatsächlich dazu benutzt wurde, Menschen zu töten.

Einstweilen will ich mich bei der wachsenden Zahl jener bedanken, vor allem unter den jungen Leuten, die mir Unterstützung zukommen ließen. Jean-Gabriel Cohn-Bendit schrieb: "Setzen wir uns dafür ein, daß jene Gaskammern, die man Touristen in den Lagern zeigt, von denen man heute weiß, daß es dort keine gab, zerstört werden (e)". Er hat recht. Hören wir mit der Kriegspropaganda auf. Der wirkliche Schrecken genügt. Es ist unnötig, ihm etwas hinzuzufügen.

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(a) Justiz und Verbrechen, University Press Amsterdam, 1977, Bd. XVII, S.20.

(b) Hefte von Auschwitz, Nr. 8 (1964), S. 60 - 61.

(c) The Hoax of the 20th Century, S. 150.

(d) Le Droit de vivre, März 1979, S. 9.

(e) Libération, 5.3.1979, S. 4.

 

Die Diskussion verlor, nachdem Le Monde am 19.1. "Jede sich darauf beziehende Antwort gäbe ihm zu seinem Vorteil ein erneutes Recht auf Gegendarstellung" formuliert hatte, ihren Freimut und ging wieder in den Untergrund. Die Attacken zielten von nun an aufeinen ungenannten, namenlosen, aber bekannten Feind. Man urteile selbst, ob dies ein angemessenes Verfahren sei. Welches gleichwohl vom Rest der Presse übernommen wurde. /26/

Im folgenden gebe ich eine Dokumentation des Streites, den Faurisson mit einer Zeitschrift aus Lyon austrug. Der Hauptbetroffene schildert ihn wie folgt (Juli 1979):

Am 17.11.1978, und erneut am 18., ist Robert Faurisson, Dozent an der Universität Lyon 2, von der Zeitung Le Progres de Lyon hart angegriffen worden. Er schreibt einen Brief an die Zeitung, sich auf sein "Recht auf Gegendarstellung" berufend. Die Zeitschrift weigert sich, diesen zu veröffentlichen. R. Faurisson wendet sich an die Justiz. Das Urteil am Tribunal de police von Lyon ergeht am 27.6.1979. Die (einzige) Richterin, Frau Baluze-Frachet, weist die Klage Faurissons ab. In seiner Ausgabe vom 30.6.1979 faßt derProgres das Ergebnis zusammen: "Das Gericht wies Herrn Faurissons Klage in Anbetracht des Umstandes ab, daß sein Brief an den Progres "Ausführungen enthielt, die im Widerspruch zur moralischen Ordnung und den guten Sitten stehen"". Das Resumé ist exakt. Der Professor wird beschuldigt, gegen die guten Sitten verstoßen zu haben, d.h. "gegen die Gesamtheit der moralischen Ordnung, deren Störung die Gesellschaft nicht duldet". Er hat also die "moralische Ordnung" verletzt, die keineswegs mit den "öffentlichen Ordnung" zu verwechseln ist. Man muß wahrscheinlich bis in die Zeit des Zweiten Kaiserreiches und zu einer Gesetzgebung zurückgehen, wie sie um 1850 herum in Frankreich Gültigkeit hatte, um diese "moralische Ordnung" erwähnt zu finden. Die Verfolgungen, denen Baudelaire und Flaubert ausgesetzt waren, müssen mehr oder weniger im Namen dieser Ordnung geführt worden sein. Zu Beginn der III. Republik verstanden die monarchichstischen Schwärmer unter "moralischer Ordnung" jene auf deren Wiederherstellung gerichtete konservative Politik, wie sie der Herzog von Broglie am 26.5.1973 definierte. Diese auf die Kirche sich stützende Politik brachte antirepublikanische Maßnahmen mit sich, (Entlassung republikanisch gesinnter Beamter usw.). Es war diePolitik des Marschall Mac Mahon. Kurz, "moralische Ordnung" steht seit langem für nichts anderes, als eine vollkommen reaktionäre, rückwärtsgerichtete Politik. Man rühmt sich kaum noch, ein Verteidiger der "Ordnung" zu sein, und der "moralischen Ordnung" erst recht nicht. Frau Baluze-Frachet wirft dem Professor die beiden folgenden Sätze vor:

1. - "(...) 14 Jahre des Nachdenkens und vier Jahre genauester Forschung (...) haben mich dazu gebracht, am 29.1.1978 vor den Teilnehmern eines Kolloqiums von Historikern in Lyon zu erklären, daß es sich bei den angeblichen Massenmorden in den "Gaskammern" um eine Geschichtslüge handelt."

2. - "(...) die Frage ist, ob es wahr oder falsch ist, daß die "Gaskammern" Hitlers wirklich existiert haben."

Die Richterin erklärt: "Diese Ausführungen verstoßen gegen die guten Sitten". Sie ergänzt: "... es steht fest, daß Millionen Menschen, insbesondere Juden, in den Konzentrationslagern der Nazis als Opfer verschiedener "Tötungsmaschinen", wie der Gaskammern, gestorben sind." Und sie fährt fort: "Die Gaskammern haben existiert. Allein der Umstand, einen Artikel in eine Tageszeitung setzen zu wollen, in dem der Autor sich die Frage stellt, ob die Gaskammern existiert hätten, einen Verstoß gegen die guten Sitten."

Die Richterin geht noch weiter. Sie rügt den Professor, die "Ehre der Mitglieder der Regierung und insbesondere ihres Chefs" verletzt zu haben. Deren Chef heißt Raymond Barre, dessen Stammwahlbezirk in Lyon liegt. Wodurch hat Robert Faurisson die Ehre dieser höchst ehrenwerten Personen verletzt?

Die Antwort gibt die Richterin. Robert Faurisson hat seinen Kollegen - die sich erlauben, ihm Moral zu predigen -- zwei Dinge in Erinnerung gerufen:

(a) Sie haben eingestandenermaßen bei der lokalen Presse, und speziell beim Progres de Lyon, durchgesetzt, daß die Erklärungen Faurissons vom Januar 1978 auf dem Kolloquium in Lyon nicht erwähnt werden;

(b) Sie wußten alle sehr gutä daß das Komitee zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges (Henri Michel und Claude Levy), welches dem Regierungsoberhaupt, dem Premierminister direkt unterstellt ist, seit fünf Jahren die wirklichen Zahlen der wirklich aus Frankreich deportierten verheimlicht.

Hatte R. Faurisson der Meute seiner Fälscher und Moralprediger doch folgendes geschrieben: "Ich nenne jene, die vorgeben, um dieses schlichte und einfache Zurückhalten von Dokumenten nicht zu wissen, Feiglinge". Und an die Adresse dieser Zeitung, die sich den Verleumdern zugesellte (und seit nunmehr 35 Jahren ihre Leser mit einer legendären Geschichte des letzten Krieges unterhält) : "Ich werfe Ihnen Ihr 35jähriges Schweigen und Ihr geheimes Einverständnis mit offiziellen und offiziösen Mächten aller Art vor."

Prof. Faurisson hatte auch daran erinnert, daß das Komitee mit dem Geld des Steuerzahlers arbeitet, und daß, wenn es die Ergebnisse seiner Untersuchungen nunmehr zwanzig Jahre geheimhält, dies nach dem Eingeständnis von Herrn Henri Michel selbst, aus "Angst vor Zusammenstößen mit gewissen Vereinigungen der Deportierten" geschieht (vertrauliches Bulletin Nr. 209), bzw. weil durch die Veröffentlichung dieser Ergebnisse "unfreundliche Gefühle gegenüber den Deportierten entstehen" könnten (Bulletin Nr. 212, April 1974). An keiner Stelle spricht Faurisson von den "Mitgliedern der Regierung" (im Plural). Er schreibt lediglich "daß dieses offizielle Komitee ... dem Premierminister direkt unterstellt ist...". Eine Präzisierung, die sich in großen Buchstaben auf jeder Veröffentlichung des fraglichen Komitees wiederfindet.

Schließlich brandmarkt die Richterin in allgemeiner Form, was sie im Brief des Professors für "Ausführungen... im Widerspruch zu den guten Sitten" hält: eben jene Passagen, die sie zitiert und kommentiert.

 

ANMERKUNGEN

25. Le Monde, vom 29.3.1979.

26. Man sehe sich nur an, was der Progres de Lyon vom 17.11.1978 unter dem Titel: "Ein Name?" bringt: "Gewiß kennen wir den Namen der Person, auf welche die Gruppe der Abgeordneten der Nationalversammlung sich bezieht. Wenn wir diesen bislang unseren Lesern nicht bekanntgegeben haben, so deshalb, weil wir uns weigern, einem Ewiggestrigen, einem Rassisten und Antisemiten unter dem Deckmantel der Information zu kostenloser Werbung zu verhelfen." Den "Deckmantel" finde ich besonders bemerkenswert.


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Zweiter Teil, Kapitel 3, Teil 2, "Der Skandal bricht los" von Historische Warheit oder Politische Wahrheit ? Die Macht der Medien : Der Fall Faurisson, Berlin, 1994, Verlag der Freunde, Postfach 350264, 10211 Berlin, S. 5-21. Übertragung aus Französisch von Andreas Wolkenpfosten. ISBN 3-9803896-0-X. Es ist besser das Buch von den Verlag zu kaufen.

Diesen Text stellt Ihnen AAARGH in 1996 für die wissenschaftliche Forschung, zu Bildungszwecken und verwandten Anwendungen zur Verfügung. AAARGH Internattionale Büro (Vereinigung langjähriger Konsumenten von Berichten über den Krieg und den Holokaust) ist per eMail zu erreichen unter "aaarghinternational-hotmail.com". Durch Post kann man uns auch schreiben: PO Box 81475, Chicago, IL 60681-0475, USA. Post: PO Box 81475, Chicago, IL 60681-0475, USA.
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Vereinigten Nationen, 10 Dezember 1948.



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