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Serge Thion

Historische Wahrheit oder Politische Wahrheit?

Die Macht der Medien: der Fall Faurisson

Zweiter Teil

Kapitel IV

Der Unterricht als Trauerspiel

Wir haben die Hofseite besichtigt. Schauen wir uns nun die Gartenseite an, das Reich der schönen Künste und der Wissenschaften, der Universität. Es ist nicht ohne Interesse, hier einen Augenblick zu verweilen und sich anzuschauen, wie in einer entschieden liberalen (?) Gesellschaft und an einem Ort, wo der frische Wind der Universität weht, mit jemandem, der abweichender Meinung ist, umgegangen wird.

Der Artikel im Matin erschien am 16. November. Am Tag darauf suspendierte Bernadet, der Präsident der Universität Lyon 2, wo Faurisson unterrichtet, diesen "provisorisch" von jeder Lehrtätigkeit und erteilte ihm vom 20. an Hausverbot. Die Ereignisse jenes Tages, da Faurisson, der von der gegen ihn erlassenen Verfügung keine Kenntnis hatte, seine Lehrveranstaltung abhalten wollte, sind von seinem Schreiben vom 16.12.78 an Le Monde bekannt. Präsident Bernardet seinerseits rechtfertigte seine Entscheidung wie folgt:

In Anbetracht der Aufregung und der Unruhe einerseits, die dadurch entstanden, daß Ihre Thesen nunmehr der Öffentlichkeit bekannt wurden, angesichts einer Aufregung, die, sollten Sie sich an die Universität begeben, um dort Ihre Lehrveranstaltungen fortzusetzen, leicht zu schwerwiegenden Zwischenfällen führen könnte, und andererseits in Anbetracht, daß der Herr Minister die Einleitung einer Untersuchung veranlaßt hat, und es daher wünschenswert erscheintä bis zum Ausgang der Untersuchung den Istzustand möglichst zu bewahren, habe ich entschieden...

Seitens der Lyoner Universität wurde immer bestritten, daß es sich um eine Bestrafung handele. Indes bedeutete das Ergebnis nichts anderes als eine Zurückweisung des Störenfrieds, dessen Isolierung mittels einer Art Quarantäne. Manche seiner Kollegen haben, nachdem Zeit vergangen war, von einem damals herrschenden "Klima der Angst" gesprochen, das sie daran gehindert habe, der Sympathie Ausdruck zu geben, welche sie für den plötzlich zum verseuchten Schaf gestempelten Kollegen bis dahin empfanden, dessen Forschungsergebnisse weithin unbekannt waren, da er sich kaum jemanden anvertraut hatte.

Nachdem die Zeit der Suspendierung abgelaufen war, sollte Faurisson seine literaturwissenschaftlichen Vorlesungen (Thema war Proust) am 8. Januar 1979 wieder aufnehmen. Die Universitätsleitung hatte Inschriften wie "Faurisson ermordet die Toten" überdecken lassen. Zur festgesetzten Stunde dann drängten sich etwa fünfzig, von den Medien verallgemeinernd als "Juden" bezeichnete, Demonstranten in dem Raum. Es sieht in der Tat so aus, als seien viele dieser Demonstranten, die ein Traktat mit der Überschrift "Stoppt die Lüge und den Haß" verteilen (ein seltsamer Titel übrigens, wenn man bedenkt, daß dieser Text von Lüge und Haß keineswegs frei war), Mitglieder der Vereinigung der jüdischen Studenten in Frankreich gewesen und hätten unter der Anleitung von Dr. Aron, des Koordinators der jüdischen Organisationen von Lyon gehandelt:

Wie lange müssen wir gegen das Wiedererwachen der Gewalt, des Rassismus' und Antisemitismus' noch protestieren, und immer wieder auf die selbe Gleichgültigkeit stoßen, auf die Gleichgültigkeit desjenigen, der in seinem Fleisch und Blut, in seinem Wesen, oder besser noch, in seiner Individualität, noch nicht berührt ist?

Das Schweigen, aus welchem Grund auch immer, ist der Komplize. Aber schlimmer als alles andere ist das Schweigen der Wissenden, derer, deren Aufgabe es wäre, ihr Wissen weiterzugeben. Das Schlimmste ist das Schweigen der Intellektuellen.

Ein Professor für Literatur, der niemandem etwas zu Leide tun würde, leugnet die Gaskammern. Unglaublich aber wahr, so wie die Hakenkreuze, die sich nahezu überall vermehren und die rassistische Gewalt zu einer banalen, alltäglichen Sache machen.

Aber wieso eigentlich? Seien wir doch nicht zu empfindlich: erklärt uns Herr Faurisson, der Professor aus Lyon, nicht mit pseudowissenschaftlichen Argumenten: "Niemals hat Hitler den Tod eines einzigen Menschen aufgrund seiner Rasse befohlen"? Kann uns Herr Faurisson auch so leicht erklären, welches Schicksal die Millionen Opfer, unter ihnen sechs Millionen deportierter und vermißter Juden, erlitten? Es sei denn, daß "diese sechs Millionen Juden nicht auch eine zionistische Erfindung sind" (Libération vom 18.9.1978). Herr Faurisson wehrt sich dagegen, als Antisemit oder Anhänger der Nazis bezeichnet zu werden; durch seine verleumderischen Worte und seine Zusammenarbeit mit Verlagen, bei denen unter anderem die "Auschwitz-Lüge" und "Die Protokolle der Weisen von Zion" erschienen sind, wird er zum Glied in einer langen Kette antisemitischer Tradition.

Es geht hier nicht darum, sich mit einem Faurisson oder mit sonstwelchem Fanatiker dieser Sorte herumzustreiten: es gilt die Lehre aus den jüngsten antisemitischen Anschlägen zu ziehen, denn Faurisson ist nicht irgendeiner, bei dem sich nur mit den Schultern zucken ließe, es ist ein gefährlicher Mann.

Es gilt zu verhindern, daß gutgläubige Männer und Frauen das Opfer eines Apologeten der Nazis werden, der die Tribüne, die ihm sein Beruf bietet, zur Verbreitung betrügerischer Thesen mißbraucht.

Deshalb fordern wir seinen unwiederruflichen Ausschluß aus der Universität Lyon 2 und seine Streichung aus dem Vorlesungsverzeichnis.

Die Präsidenten der Universität, Herr Bernadet, und der Fakultät, Herr Claude Martin, hatten sich außerstande erklärt, die körperliche Unversehrtheit Professor Faurissons zu garantieren; diesem gelang es, unter vielen Vorsichtsmaßnahmen, das Gebäude zu verlassen, ohne belästigt zu werden. Die enttäuschten Demonstranten erklärten, sie hätten mit Faurisson lediglich diskutieren wollen; worauf ihr Text allerdings nicht unbedingt schließen ließ.

In der folgenden Woche, am 15. Januar, geht Faurisson direkt zum Präsidenten der Universität. Der Vorlesungsraum ist erneut voller Demonstranten von der Vereinigung der jüdischen Studenten in Frankreich, aber auch vom kommunistischen Studentenverband und von Mitgliedern der Verbände ehemaliger Deportierter, denen sich der Delegierte der rechtsliberalen UDF, Hamel, angeschlossen hat. Sie rufen mit lauter Stimme, sie hätten "Fragen zu stellen", und verteilen das folgende Papier:

Vergangenen Montag waren wir Hundert. Heute kommen wir wieder... Warum?

-- Weil es nicht zugelassen werden kann, daß R. Faurisson, dieses gefährliche Subjekt, straflos eine verderbliche und rassistische Ideologie verbreiten, und insbesondere erklären darf, daß "Hitler niemals die Tötung eines einmzigen Menschen aufgrund seiner Rasse befohlen habe und daß die "angeblichen "Gaskammern" und der angebliche "Völkermord" Teil ein und derselben Lüge sind".

-- Weil er, indem er pseudo-wissenschaftliche Behauptungen versammelt, nach der Auslöschung der historischen Wahrheit strebt.

-- Weil er eine Beleidigung des Gedenkens an die Vermißten und eine Verletzung der noch lebenden Zeugen dieser Abscheulichkeiten ist.

-- Weil die Anwesenheit R. Faurissons an der Universität Lyon 2 eine Beleidigung des Lehrkörpers bedeutet.

-- Weil er ein Symptom für das erneute Ausbrechen des Rassismus und des Antisemitismus in Frankreich ist.

Deshalb fordern wir heute, daß Sanktionen erlassen werden, die seinen verleumderischen Darlegungen entsprechen.

Wir erwarten, daß Sie Ihre Haltung der Gleichgültigkeit, die Sie zu Komplizen werden läßt, aufgeben und sich uns anschließen.

Die Vereinigung der jüdischen Studenten in Frankreich, mit Unterstützung von: AGEL-UNEF, ANACR, Cercles Barricades, Koordinationskomitee der jüdischen Organisationen von Lyon, Vereinigung der Verbände der Widerstandskämpfer, FNDIRP, Impression, LCR, MAS.

Claude Martin und andere bewegen Faurisson, "sich den Fragen zu stellen, sich zu erklären", erkennen aber sehr schnell, daß sie weder "normale Unterrichtsbedingungen" noch dessen Sicherheit garantieren können. Nicht unbedingt darauf aus, den muskulösen Fragestellern allein gegenüberzustehen, zieht Faurisson sich zurück. Er erinnert sich bitter der lynchmordähnlichen Atmosphäre vom 20. November, wo, nach seinen Worten, einer dieser "vom Haß elektrisierten Brutalos" rief: "Jetzt kennen wir deine Fresse, jetzt bist du geliefert!" Nach Aussage eines Zeugen war ein Teil der Demonstranten möglicherweise aufrichtig an einer Diskussion interessiert, erwies sich aber als unfähig, sich zu beherrschen.

In der folgende Woche erhält er vertrauliche Informationen, daß militante Studenten von Paris her unterwegs seien und sein Leben in Gefahr sei. Nichtsdestotrotz geht er zu seiner Vorlesung; dochda er diese beginnen will, wird ihm gesagt, daß die Demonstranten angekommen seien. Er verläßt den Raum, und diese erkennen ihn erst, nachdem er an ihnen vorbei ist. Eine Jagd durch die Gänge der Universität und später auf der Straße schließt sich an, bis es ihm gelingt, sich auf einer Baustelle zu verstecken und so seinen Verfolgern zu entgehen. Am Abend wirft Claude Martin ihm am Telefon vor, er suche sich als Opfer darzustellen, und würde lügen, indem er sage, diese Vorfälle hätten innerhalb der Universität ihren Anfang genommen.

Man mag sich ganz nach Belieben auch ansehen, welche Haltung Claude Martin, der unmittelbare Vorgesetzte Faurissons in der universitären Hierarchie, in einer "Dokument der Woche" genannten Verlautbarung einnimmt, die der Nouvel Observateur/27/ als einen Text publizierte, "der nicht zur Veröffentlichung bestimmt war", der aber ungeachtet dessen "zur Information an die LICA und an mehrere Pariser Tageszeitungen verschickt" wurde. C. Martin erklärt hier ausführlich, unter welchen Umständen man Faurisson 1973 in Lyon angestellt und übrigens einem anderen Kandidaten vorgezogen hatte, "dessen Arbeiten im übrigen höher geschätzt wurden". Aus der Antwort Faurissons geht hervor, daß jener unglücklich unterlegene Kandidat eben Claude Martin selbst war./28/ Welcher genug Glück im Unglück hatte, und im Zuge dieser Auseinandersetzungen zum ersten Stellvertreter des Präsidenten der Universität Lyon 2 gewählt wurde. Verständlich, daß Leute, die sich in die Enge getrieben fühlen, manchmal etwas nervös reagieren. C. Martin geht es darum, zwischen sich und seinem nächsten Mitarbeiter den größtmöglichsten Abstand herzustellen. Er tut sein möglichstes, um -- ohne sich allzu sehr zu kompromittieren -- der Idee Nahrung zu verschaffen, Faurisson wäre ein altbekannter Antisemit; und erzählt die Geschichte klein-klein, auf diese Weise den Eindruck zu erwecken, sie, als Verantwortliche der Universität, hätten gar nicht anders handeln können, was, grosso modo, wohl bedeutet, sie hätten den Störenfried in die Falle laufen lassen, um sich nicht der Kritik der Gegner Faurissons auszusetzen. Die kleinen Gemeinheiten, wie sie unter "verehrten Kollegen" üblich sind, näher zu kommentieren, wollen wir uns schenken; das charakteristische dieser Haltung aber, das bei dieser Gelegenheit in aller Offenheit zutage tritt, als das bezeichnen, was es ist: als vollständige geistige Taubheit. Diese erlaubt Diskurse ohne Ende, in deren Verlauf man sich die zu bekämpfenden Argumente selbst erfindet. Herr Martin hat sich wahrlich um die Rhetorik verdient gemacht, insbesondere mit seiner "Figur der Regenschirmöffnung".

Diese Übung in Sachen aktiver Entsolidarisierung sollte er mit der Antwort, die er auf die Entgegnung Faurissons /29/ gab, bis zur Travestie, bis zur vollkommenen Verkleidung der Wirklichkeit treiben /30/: Dieser ist, nachdem er am 20. November für einen Monat suspendiert worden war, nicht wieder an der Universität erschienen; durch seinen Rechtsanwalt ließ er wissen, er wolle seine "körperliche Unversehrtheit, wenn nicht gar sein Leben, nicht gefährden". Ungeachtet der ihm offiziell und formell gegebenen Versicherungen seitens der Univerität, daß diese ihn vor etwaigen Gefährdungen schützen werde (wie dies am 22. Januar auch geschehen ist), kehrte Herr Faurisson seit zweieinhalb Monaten nicht an die Universität Lyon 2 zurück. Da es nach den Vorschriften untersagt ist, für die Vorlesungen, für deren Abhaltung Faurisson noch immer entlohnt wird, einen anderen Lehrer zu entlohnen, beunruhigen sich die allein gelassenen Studenten entsprechend...

Ein neuerlicher Versuch die Vorlesungen wieder aufzunehmen, am 7. Mai, geht ebenso aus wie die vorherigen. In den Augen Faurissons steht die Universität damit noch schlechter da. Niemand, oder fast niemand, ist bereit, ihn im Namen der Gedankenfreiheit zu verteidigen. Denn die hauptberuflichen Kämpfer für Freiheit und Menschenrechte steckten in einer Zwickmühle: entweder, indem sie sich für ihn einsetzen, als Parteigänger Faurissons zu erscheinen, oder aber, der üblen Behandlung kaum Widerstand entgegensetztend, sich als Feiglinge zu erweisen. Es blieb nur ein winziger Ausweg: zu bekräftigen, daß Faurisson gewiß das Recht habe, zu denken was er wolle, im übrigen aber festzustellen, daß dieser sich in der Sache irre, und ihm daher nebenher Schweigen anzuraten, könne man doch die durch seine Äußerungen hervorgerufenen Reaktionen nicht allzu sehr mißbilligen. Offenbar hat man auch nicht eine Sekunde lang daran gedacht, sich zu fragen, ob in dem was er sagt, nicht auch ein Körnchen Wahrheit sein könne. Zwar wird viel geredet, ein Gespräch aber kommt nicht zustande. Wie schwierig die Wege des Konformismus doch manchmal sind...

Die weiteren Ereignisse und deren Aufnahme gehen aus einem Brief hevor, den Faurisson - aus Gründen, die gegen Ende deutlich werden - am 21. Mai 1979 an den für die Universitäten zuständigen Minister sandte:

Meiner formalrechtlichen Suspendierng war eine vollkommen illegale Verhinderung im Faktischen gefolgt. Diese bestand insofern, als man sich nicht in der Lage erklärte, den ungestörten Verlauf meiner Lehrveranstaltung zu garantieren. Der Präsident schickte mir am 29.1.1979 einen eingeschriebenen Brief, in welchem er mich der Feigheit beschuldigte (ich hätte nicht gewagt, mich meinen "Kritikern" zu stellen, meinte er) und mich wissen ließ, ein Kollege werde meine Lehrveranstaltung "bis zum Ende dieses Jahres" weiterführen.

All diese Ereignisse spielten sich zudem zu einer Zeit ab, als die Nachfolge unseres sozialistischen Präsidenten zur Regelung anstand. Unter den Kandidaten befand sich der Direktor meiner Fakultät; daß wir bis dahin ausgezeichnete Beziehungenen zueinander unterhielten, war allgemein bekannt. Aber Ehrgeiz kann in die Irre führen. Der frischgebackene Anwärter auf die Präsidentschaft ließ öffentlich wissen, daß er sich in meiner Affäre der Auffassung des bisherigen Präsidenten der Universität anschließe. Er ging sogar noch weiter. Er veröffentlichte in einer den Sozialisten nahestehenden Zeitschrift einen langen Aufsatz, gefolgt von einem Text, in welchem er auf meine Antwort antwortet, in denen ich als ein ziemlich mittelmäßiger Lehrer dargestellt werde, dem bei anderer Gelegenheit bereits, wenn auch nicht ein "Tadel", so doch - welch Unterschied! -- "mündliche Mißbilligungen" wegen angeblich antisemitischer Äußerungen erteilt worden wären. Diese pure Erfindung wird um eine noch gemeinere, noch hinterlistigere Unterstellung ergänzt: man gibt zu verstehen, ich sei ein Lehrbeauftragter, der seinen Pflichten nicht nachkomme, und sich für das Nichtstun bezahlen ließe.

Ich habe gegen diese Gemeinheit energisch protestiert. Im übrigen hat man mir vorgeschlagen, meine Lehrveranstaltung für die beiden letzten Wochen des Studienjahres, d. h. am 7. und am 14. Mai, wieder aufzunehmen. Ich habe diesen Vorschlag ohne Rücksicht auf das Risiko, dem ich mich möglicherweise erneut aussetze, sofort angenommen.

Unglücklicherweise wurden die Demonstranten über diese Wiederaufnahme in Kenntnis gesetzt; durch wen und auf welche Weise, das möchte ich gern wissen. Auch diesmal stürmten sie den Raum, und machten keine Anstalten, diesen wieder zu verlassen. Wie üblich, wurde nicht einmal der Versuch unternommen, am Eingang des Hörsaales die ZugangÜberechtigung per Kontrolle der Studienausweise zu überprüfen; ich selbst bin übrigens an diesem Tag nicht einmal hineingekommen. Am 14. Mai waren die Demonstranten wieder da. Diesmal schließlich, in der letzten Woche des Studienjahres, hat man sich zu einer Ausweiskontrolle entschließen können. Ich konnte unterrichten, aber lediglich eine einzige Studentin, denn nur dieser Studentin war es gelungen, die Absperrung der Demonstranten zu durchbrechen. Mit dieser neuerlichen Niederlage endete ein Studienjahr, in dessen Verlauf ich nicht mehr als drei Vorlesungen halten konnte: die am 6. und 13.11. und am 14. Mai. Was sonstige Lehrveranstaltungen betrifft (Diplomandenbetreuung, Prüfungsvorbereitungen), habe ich diese mit einer kleinen Gruppe mutiger Studenten heimlich in der Stadt im Hinterzimmer eines Cafés abgehalten.

Ihnen, Frau Ministerin, wird es wohl kaum in den Sinn kommen, mich zu verteidigen.

Mein Rechtsanwalt hat, als deutlich wurde, daß die Verantwortlichen der Universität nicht in der Lage sind, diese Probleme zu lösen, versucht, Sie in dieser Angelegenheit anzusprechen. Ich meine Kenntnis davon zu haben, daß die Polizeiführung Sie seinerzeit haben wissen lassen, daß mein Leben bedroht sei. Sie haben sich allen an Sie gerichteten Appellen gegenüber ungerührt gezeigt. Sie haben antworten lassen, daß der Dienstweg, d. h. über den Rektor, beschritten werden solle. Aber Ihnen ist bekannt, daß der Rektor uns seit langem hat wissen lassen, er könne sich wegen der Autonomie der Universität in diese Angelegenheit nicht einmischen.

Das hat alles seine Ordnung. Ich meine weder ein Komplott, noch eine Verschwörung zu erkennen, wohl aber eisernen Konformismus. Solange ich, wie es schien, brav auf meinem Platz blieb, war ich ein "glänzender Professor", ein "höchst bemerkenswerter Forscher", eine "außergewöhnliche Persönlichkeit". Von dem Tag an aber, da ich das Tabu der "Gaskammern" verletzte, wurde meine berufliche Situtation unhaltbar. Heute sehe ich mich gezwungen, Sie zu bitten, mich gütigerweise ins Fernstudium zu versetzen.

Kurz vor Semesterbeginn wurde er ins Fernstudium versetzt.

Die einzige Ermutigung ist eine Unterschriftenaktion, unterzeichnet unter anderem von Professor Culioli, die sich gegen die Behandlung Faurissons wendet und eine öffentliche Diskussion verlangt; von seinen Auffassungen sich gleichzeitig vollkommen distanzierend./31/ Für sich selbst Freiheit zu verlangen, ist normal. Freiheit für ~andere einzufordern, erscheint ziemlich außergewöhnlich: indes ist dies das für die Demokratie notwendige Minimum.

 

1. Die Rechte, die Linke.

Die extreme Rechte, wie sich in den vertraulichen Mitteilungen in Minute zeigt, erfreut sich offenbar dieser Angelegenheit. Sie schert sich nicht besonders um eine Prüfung der Argumente Faurissons; für sie wird der Nazismus fälschlich beschuldigt, dahinter steht irgendeine judeo- oder sonstige Verschwörung. Wenn sie sich, neben tausend anderen Dingen, der Schlußfolgerungen Faurissons zu ideologischen Zwecken bedient, so wird sie mit dem Menschen Faurisson nichts anfangen können. Er läßt sich von nichts und niemandem einspannen.

Interessanter schon sind die Reaktionen der ~politischen Klasse, d. h. der Parteien, die sich auf der Bühne des Parlaments raufen. Die Um- und Rückschau bringt einige Überraschung: von den unvermeidlichen Protesten der Vereinigungen ehemaliger Deportierter, von jüdischen Organisationen und der antirassistischen Bewegung abgesehen, war von der Linken kaum etwas zu hören. Insbesondere die Zurückhaltung der FKP fiel auf. /32/ Läßt sie doch normalerweise, falls die Umstände es erlauben, keine Gelegenheit aus, ihre Rol Tanguys mit ihren Orden aufs Schild zu heben. Gewiß, sie hat den Mythos von der "Partei der 75.000 Gefallenen" schon längst aufgegeben, und versucht nicht mehr glauben zu machen, die Résistance, das wäre sie, und sie allein, gewesen. Das war, als Giscard mit den Feierlichkeiten zum 8. Mai ein Ende machte, gut zu sehen. Und auch die Sozialisten, die über großen Einfluß an der Universität Lyon 2 verfügen, haben kaum noch protestiert. All diese Leute haben offensichtlich besseres zu tun.

Auf der Rechten ist kaum größere Bewegung auszumachen, abgesehen von Joel Le Tac, der behauptet, die "Gaskammer in Struthof in Betrieb gesehen zu haben"/33/. Allein die Giscardianer sind auf dem Kriegspfad. Pierre Sudreau von der UDF verlangt im Namen der Gruppe der ehemaligen Widerstandskämpfer und der Gefangenen in der Nationalversammlung, daß diese "skandal"sen Ausführungen, die geradezu eine Apologie der Kriegsverbrechen darstellen" untersucht werden"/34/. Und Frau Saunier-Seité ergänzt, "die Regierung teilt die von Herrn Sudreau zum Ausdruck gebrachte Mißbilligung"./35/ In guter Position befindet sich auch der Pariser Abgeordnete der UDF, Jean-Pierre Pierre-Bloch, der einen Artikel im ~Matin de Paris untergebracht hat. /36/ Ein Abgeordneter der UDF, Bezirk Rhone, verstärkt die Reihen der Hardliner und möchte Faurisson an der Universität "befragen"; "die Freiheit selbst ist durch eine gewisse Toleranz gegenüber groben Verfälschungen der Geschichte in Gefahr", meint er, und fragt, von Angst gezeichnet, die Abgeordnete Saunier-Seit, was diese denn zu unternehmen gedenke; welche unter "Schmerzen" ihre "Machtlosigkeit" /37/ bekennt. Den Vogel aber schoß Dr. Gilbert Barbier, Deputierter der UDF aus dem Jura, ab, der "in Anbetracht der inneren Unruhen an der Universität Lyon 2" schriftlich beim Premieminister anfragte, welches "die geeigneten Schritte seien, die Rechtsordnung um ein System der Berufsverbote zu ergänzen". Heftiger, wenn auch verspäteter, Protest in der Humanité/38/; weise Zurückhaltung seitens des anderen Lyoner Giscardianers, Herrn Barre.

Auf den ersten Blick mag man es seltsam, wenn nicht gar als paradox empfinden, daß sich in der ersten Reihe eine politische Gruppe findet, die von Herkommen und politischem Erbe her am wenigsten mit der Résistance und der antifaschistischen Bewegung verbindet. Um es noch deutlicher zu sagen: sie sind praktisch die ersten nach dem Kriege, die ihren Rechtsanspruch uns zu regieren nicht aus der Berufung auf Verdienste herleiten, die sie während der dunklen Zeit der deutschen Besatzung gegenüber dem Vaterlande erworben hätten. Man wird sich vielleicht erinnern, daß Giscard d'Estaing sich seinen Ordnungsdienst für die Wahlkampagne unter Leuten rekrutierte, die gemeinhin als Faschisten betrachtet werden. Man hat im Fernsehen verfolgen können, wie Alain Krivine Herrn Poniatowski, dem Ziehvater des Präsidenten Giscard, vorwarf, seinerzeit Informant der OAS gewesen zu sein, was diesem lediglich ein mildes Lächeln entlockte. Damit will ich nicht sagen, Giscard würde eine faschistische Politik treiben, das wäre unsinnig; ich meine lediglich, daß die Giscardianer bislang nicht unbedingt als besessene Antifaschisten auszumachen waren. Gerade sie gebärden sich bei ihren Angriffen auf die von Faurisson vorgetragenen Thesen am wildesten.

Als einzigen Grund für dieses Verhalten jenseits der politischen Logik kann ich deren Position in den Sesseln der Macht ausmachen. Unser politisches System gründet sich auf den Glauben, auf die Religion, daß 1945 das Gute über die Mächte des Bösen gesiegt habe. Was wir auch immer tun und anfangen (Kolonialkriege, Ausbeutung der Dritten Welt, der Umgang mit den Fremden), wir sind fest in der Ahnengalerie der Guten verwurzelt, und unsere Pflicht ist es, unser Gewissen befiehlt uns, das Böse zu bekämpfen, sobald es sein Haupt erhebt. J.R.R. Tolkien hat uns das schon auf eine etwas altertümliche Weise erzählt. Die Machthaber sind stets in der -- unausgesprochenen, gleichwohl unumstrittenen -- Pflicht, diesen Zustand ursprünglicher Reinheit zu bewahren. Das immer wieder genutzte Werkzeug dieser Erhaltung aber ist die Herleitung aus der Vergangenheit, die durch Wiederholung immer wieder erneut bekräftigte Gründungslegende. Eine Gelehrten-, eine Priesterkaste hat, wie einst unter dem Pharao, bei den Inkas oder am Hofe sudanesischer Emire, über die orthodoxe Rezitation dieses Berichtes zu wachen. Wie wäre es sonst möglich, daß ein kleiner friedlicher Professor sich mit wenigen Worten den Zorn unserer modernen Marabus zuzieht?

 

2. Etwas weiter auf der Linken

Normalerweise stößt eine jede Bekundung von Antisemitismus auf die einmütige Zurückweisung der Linken. Hier aber waren befremdliche Töne zu hören: und dem einen oder anderen, in verschiedenen Kreisen ist es aufgefallen, daß es hier nicht um Antisemitismus geht, daß sich die Frage anders stellt, und man sich unumgänglicher Fragen nicht auf eine so einfache Weise entledigen kann.

Die Zeitung Libération hat diese Theaterszene um ein Bühnenstück bisher unbekannter Gattung bereichtert. Der Anfang dieser Geschichte bei Libération, der aus ein paar aus dem Matin abgekupferten Zeilen, gefolgt von ein paar Artikeln der gleichen Sorte, besteht, ist bereits berichtet worden. Nebenher war ein Kommentar aus der Feder Serge Julys [des Chefredakteurs von Libération] zu lesen, der einen anderen Ton anschlägt. Er sieht in Faurisson eher den in eine Marotte verstrickten wunderlichen Professor, vor allem aber stellt er die Frage, was das Verbot rassistischer Äußerungen in der Praxis bedeutet. Hier wird ein Wille sichtbar, den Dingen ins Auge zu sehen, der für große Teile des Publikums einigermaßen neu sein dürfte /39/:

Von nun an gibt es diese nach Faurisson, Dozent in Lyon, genannte Affäre, der mit seinen Forschungen zu der "Lüge" der Vernichtungslager der Nazis die universitäre Hierarchie, seinen Kollegenkreis und interessierte Studenten beschäftigt. Bei dieser Affäre werden die gleichen Probleme berührt, die sich bereits anläßlich des im Express erschienenen Interviews mit Darquier de Pellepoix stellten: soll man derartiges veröffentlichen oder nicht, hat dieser Lehrer des Recht, Auffassungen zu vertreten, bei denen es sich ganz offensichtlich um fixe Ideen handelt, von denen er besessen ist?

Der Übereinstimmung gilt es zu mißtrauen. Was zu viel ist, ist zu viel; wollte man diesem Geschrei Glauben schenken, gäbe es in ganz Frankreich praktisch keine Antisemiten mehr, mit Ausnahme Darquiers und dieses Lehrers. Frankreich ist unschuldig, und das Böse hat ein Gesicht, gegen das endlich eine breite nationale Übereinstimmung geschaffen werden kann: eine aus kommunistischen, regierungsamtlichen, sozialistischen, gaullistischen und intellektuellen Bausteinen geschaffene fleckenlose Fassade. Eine ausgezeichnete Operation, die jeden Teilnehmer kostengünstig in den Genuß des Sündenerlasses kommen läßt: "Gegen den Rassismus? Ich habe mich bereits in der Sache Darquier beteiligt!". Ein junger Mann ist wegen seiner Homosexualität verurteilt worden? Ich habe meinen Teil bereits beigetragen! Wenn aber der Konsens gegen die altersschwachen Antisemiten zur Folge hätte, daß andere Rassismen relativiert und verharmlost würden? Als eine Art Eiterableitung; oder besser noch, als eine riesige Spanische Wand, hinter der unsere Gesellschaft all ihre Krebsgeschwüre, ihre Grausamkeit und Abartigkeit, verbürge?

So etwas geht nicht ohne geistigen Terrorismus ab. Robert Faurisson ist von der Presse, insbesondere von Libération, als ein gefährlicher Antisemit bezeichnet worden. Wenn man ihn aber nach dem an uns gesandten Brief beurteilt (Libération vom Dienstag, den 21.), so wird bei diesem Dozent eher eine Hochschullehrerkrankheit sichtbar, an der Hunderte und Tausende seiner Kollegen ebenfalls leiden, die mit ihren Schrullen und Marotten ähnlich umgehen. Wer hat während seiner Studienzeit nicht so jemanden kennengelernt, der Tag für Tag solch eine traurige Show vor den Studenten abzog, die im übrigen, da nicht dumm, sich davon nicht blenden ließen, und ihn auslachten? Jedem Journalisten sind die vielen vom Verfolgungswahn geschüttelten bekannt, die, dicke Aktenordner unter dem Arm, die Redaktionen belagern, und die Verschwörung, deren Opfer sie sind, stundenlang bis ins kleinste darzulegen verstehen. Wenn nun Robert Faurisson keine größere Bedeutung als jenen zukäme? Die Kritiker der psychatrischen Anstalten, die zu Recht eine offene Therapie fordern, kennen diese Situation, ohne deswegen für Ombudsleute der Faschisten und Rassisten gehalten zu werden. Hätte die Universität, indem sie Robert Faurisson auf seinem Posten beließe, etwas anderes getan?

Dagegen beweist die Art, in der man aus "all seinen Worten eine Affaire" gemacht hat, daß offenbar ein parteiübergreifendes Bedürfnis nach geradezu einer Karikatur eines Antisemiten bestand -- von welcher kaum besonders große Gefahr ausgehen dürfte --, um auf dieser die Ängste einer Gesellschaft abzuladen.

Die Hierarchie des Schreckens

Ist es alles in allem denn wirklich schlimmer, zu erklären, "Niemals hat Hitler einen einzigen Menschen aufgrund seiner Rasse getötet", wie dieser Lehrer aus Lyon es tut - und was ganz einfach und nachprüfbar nicht wahr ist -, oder mit Herrn Krasucki, der Nummer 2 der CGT, anläßlich des Besuches von Janos Kadar in Frankreich noch immer zu behaupten, der Aufstand 1956 in Ungarn sei eine Konterrevolution gewesen, was die Niederschlagung durch die Sowjets offenbar als gerechtfertigt erscheinen läßt? Steht hier nicht Lüge gegen Lüge: sechs Millionen Tote gegen 25.000: ist die Hierarchie des Schreckens Resultat der Arithmetik? Sollte die erstgenannte Behauptung unerträglich sein, während die zweite es nicht ist? In wessen Namen?

Was ist schlimmer, das Loblied des Regimes der Roten Khmer in Kambodscha zu singen, wie gewisse Linke es tun -- die unerträgliche Rechtfertigung eines Massenmordes eingeschlossen --, oder, wie der Journalist der Humanité vom 16.11.1978, über die Flüchtlinge von Hai Hong zu schreiben: "Das darniederliegende Vietnam, das mit den vom Bürgerkrieg geschlagenen Wunden zu kämpfen hat, kann sich den Lußus einer vom ausländischen Kapital geschaffenen Bourgeoisie nicht leisten."? Der in L'Aurore erschienene Kommentar zur Deportation der in Frankreich lebenden Juden während der Zeit der Besatzung, der die Verantwortlichkeit von René Bousquet und Jean Leguay als "Torheit" bezeichnet, ist er wirklich so viel schlimmer als diese oder jene Kolumne von Francois Brigneau über die Immigration der Araber, oder diese oder jene Bemerkung von Jean Cau in Paris-Match über die Frauen.

Mit der Gewalt und mit der Verbreitung von Unwahrheiten über diese oder jene soziale, nationale, kulturelle oder sexuelle Gruppe sind wir täglich konfrontiert. Es gibt tausend Rassismen, tausend Formen des Hasses, und eine grundloser als die andere, die aber doch alle gleich schmerzhaft für die Opfer sind.

Die Tartüffs von heute stammen aus allen Parteien, und finden sich ungeachtet ihrer ideologischen Wurzeln in der Auffassung nahezu vereint, diesen Bekundungen des Hasses müsse das Recht sich zu äußern verwehrt werden. Wollte man diesem Rat folgend, so würde sich logischerweise ein Gutteil der französischen Gesellschaft in den Händen der Justiz wiederfinden, zahlreiche Zeitschriften müßten verboten werden, mit Minute, L'Humanité, Le Quotidien du peuple, L'Aurore, usw. angefangen. Was undenkbar wäre, und selbstverständlich nicht tolerierbar. Und zu keinem Ende käme. Am Beginn einer derartigen Argumentation steht die Weigerung, der Realität ins Gesicht zu sehen, das millionenfache Echo der von tausenderlei Rassismen durchzogenen Worte dieser Gesellschaft zu vernehmen. Soll man sich also endgültig in die Hände der Justiz begeben, dieser die Steuerung der alltäglichen sozialen Beziehungen, aller Gedanken und Meinungen, in ihrer Gesamtheit anvertrauen? Der Rechtsstaat ist nicht weit. Die Berufsverbote in Deutschland sind schon schlimm genug, er würde sein Wesen endgültig verlieren, müßte er sich mit Rassismen aller Art auseinandersetzen...

Die Bekundungen des Rassismus zu unterdrücken, das bedeutet ganz einfach, diese in den Untergrund zu drängen, in verschwiegene, abgeschlossene, geheime Räume. Und auf lange Sicht um so mehr Anschläge, um so mehr Morde. Die Spirale des Rechtsstaates dreht sich endlos; jeder weiß, daß Verbote zur Ausbreitung neigen, woraus sich weitere Gewalt und weitere Unterdrückung nähren. Ich sehe nicht, warum die Gewalt nicht auch hier als ein Ersatz des Wortes angesehen werden sollte, was man bei der Kriminalität in den Hochhaussiedlungen etwa zugibt. Wenn es zu wählen gilt, so ist es für den Staat und die Gesellschaft allemal besser, den Antisemitismus und alle Rassismen sich in Worten statt in Taten ausdrücken zu lassen.

Alles in allem sieht es so aus, als hätten die Befürworter eines allgemeinen Verbotes Angst, als eine Folge gewährter Toleranz entdecken zu müssen, in welchem Maße unsere Gesellschaft von rassistischen Vorstellungen aller Art durchdrungen ist. Ihres Hochmutes verlustig, müßten sie auf die Illusion einer befriedeten, von allen Keimen, Konflikten und Wahrheiten befreiten Gesellschaft, deren Bürger doch nur zu jedem Aufruhr unfähige Kastraten wären, verzichten.

Wenn man doch endlich aufhören wollte uns zu hindern Frankreich so zu sehen wie es ist. Denn diese Behinderung bedeutet die sicherste Methode, den Rassismus im Untergrund, im Schatten augenblicklicher offizieller Übereinstimmung, wachsen zu lassen. Der Preis dafür wird der sein, den die Zauberkünstler des Vergessens stets zahlen müssen: das morgendliche Erwachen in allgemeiner Enttäuschung.

Der Aufsatz bedeutet in vieler Hinsicht eine Beleidigung, oder könnte von Professor Faurisson doch so verstanden werden. Er ist trotzdem insofern interessant, als er im Gegensatz zu den üblichen Stellungnahmen den Konsequenzen des Rechts auf freie Meinungsäußerung -- einschließlich des Rechtes, Unsinn zu reden -- nachgeht, und nicht versucht, diese Grundsätze in dem Augenblick aufzugeben, da deren Anwendung Schwierigkeiten bereitet. Die einzige Annahme, die er nicht anzunehmen wagt, ist, es könne bei Faurisson, und zwar jenseits allen Unsinns, ernsthaft etwas zu bedenken geben. Wie man im folgenden sehen wird, ist Libération bei dieser Position geblieben.

Zwei ehemalige Schüler Faurissons schrieben diesem einen Brief, in welchem sie sich über die in der Presse gegen ihn geführten Angriffe lustig machen; dieser schließt wie folgt:

Wir jedenfalls, die den Unterricht des höchst unwürdigen Herrn Faurisson über uns ergehen lassen mußten, sind dann schon gegen alle Imperialismen, alle Faschismen, alle Rassismen, für die ungehinderte Diskussion, für das Recht zu forschen und zu zweifeln.

Die Leitung der Universität hat übrigens wiederholt anerkennen müssen, daß keiner seiner Schüler, kein Student sich jemals über diesen Professor beschwert hat /41/; diesen ist, naiv wie sie sind, gar nicht in den Sinn gekommen, er könne dermaßen "schädlich" (um einen von Alice Saunier-Seite am 18.11.1978 bei RTL gebrauchten Ausdruck zu gebrauchen) gewesen sein. Auch sonst gingen ihm zahlreiche Bekundungen der Unterstützung und der Anteilnahme zu, -- offensichtlich von Personen, die nicht wußten, worum es ging.

Die Angelegenheit erreicht mit einem von mehreren Personen unterzeichnetem Brief, der unter dem Titel "Kennen Sie Rassinier?" als eine Antwort auf einen Artikel von J.P. Pierre-Bloch (siehe Anm. 36) veröffentlicht wurde /42/, eine neue Dimension. Ein Brief langjähriger Leser Rassiniers in einer Sache, die vermutlich durch die Auseinandersetzungen um Darquier de Pellepoix und Faurisson erneut an Aktualität gewann:


Kennen Sie Rassinier?

Das Interview mit einem extrem abscheulichen Dummkopf, zu dem es aus unerfindlichen Gründen kam, hat die Aufmerksamkeit erneut auf die während des Zweiten Weltkrieges begangenen Kriegesverbrechen, bzw. auf die Verbrechen gegen die Menschheit gelenkt, d. h. auf die von den Nazis begangenen Verbrechen, - denn die Nazis und ihre Helfershelfer waren die einzigen, die derartiges begingen(?!). Dieser Darquier de Pellepoix aber ist derart ekelhaft, und sein Denken dermaßen primitiv, daß die an sich notwendige Diskussion auf einem beklagenswert niedrigem Niveau stattfindet, daß eine Beteiligung in dieser Form und zu diesem Zeitpunkt nicht in Frage kommt.

Ein Aufsatz des Pariser UDF-Abgeordneten J.P. Pierre-Bloch in Le Matin vom 22.11.1978 jedoch, aus dem wir die Bemerkung "die Lüge hinterläßt immer Spuren" wiedergeben, und der eine Gleichsetzung von de Pellepoix und Paul Rassinier, dem Autor zahlreicher Bücher und Artikel über die deutschen Konzentrationslager, herzustellen versucht, zwingt uns zur Stellungnahme.

J.P. Pierre-Bloch hat gewiß das Recht, im Rahmen seiner persönlichen Weltsicht die beiden miteinander in Verbindung zu bringen - was im übrigen auch einiges über seine Weltanschauung aussagt. Dagegen hat er nicht das Recht, diesen Bezug mittels einer Lüge herzustellen, welcher er vielleicht in gutem Glauben anhängt, auf deren Korrektur wir gleichwohl bestehen müssen.

J.P. Pierre-Bloch schreibt wörtlich in den Spalten des Matin:

"Bei der von Darquier de Pellepoix wiedergegebenen These handelt es sich eben jene des Fälschers Rassinier; die klare Verurteilung seiner abscheulichen Lügen vor den Gerichten unseres Landes hatte die LICA durchgesetzt. Es ist die Robert Faurissons, des Dozenten an der Universität Lyon 2..."

Was Faurisson betrifft, so kennen wir seine Thesen nur vom Hörensagen, und hoffen, daß die Meute sich beruhigt, um diese zur Kenntnis zu nehmen und sie zu diskutieren, falls es sich lohnen sollte. In bezug auf Darquier de Pellepoix erscheinen uns, sollte hier eine Renaissance denkbar sein, alle geeigneten Mittel, Schaden abzuwenden, höchst erwünscht.

Die höchst zweideutigen Formulierungen J.P. Pierre-Blochs vermitteln den Eindruck, Paul Rassinier sei von der französischen Justiz für seine Arbeiten verurteilt worden.

In Wirklichkeit hat die LICA niemals "die klare Verurteilung seiner abscheulichen Lügen vor den Gerichten unseres Landes durchgesetzt"; ganz einfach, weil im Gegenteil Paul Rassinier es war, der gegen den Chefredakteur von Droit de vivre, dem Organ der LICA, von dem er als "Agent der Nazi-Internationale" bezeichnet wurde, Beleidigungsklage erhob. Bei diesem Prozeß, über den in Le Monde am 7.10.1964 sehr ausführlich und sehr sachlich berichtet wurde, haben die Zeugen der Nebenklage "auf den Pazifisten, Sozialisten und Anarchisten, auf diesen, nach den Worten von Frau Raymond Geouffre de la Pradelle, "Wahrheitssüchtigen", ein Loblied gesungen". Der Beweis einer wie auch immer gearteten Verbindung zu Nazis, alten oder neuen, konnte nicht erbracht werden.

Trotzdem wurde Paul Rassiniers Klage abgewiesen und der Beschuldigte Bernard Lecache freigesprochen.

Die Behauptung J.P. Pierre-Blochs ist also vollkommen falsch.

Mit welchem Recht erlaubt er sich, ohne den geringsten Beweis vorzulegen, ohne dies auch nur durch ein Zitat zu stützen, zu behaupten, Rassinier habe sich als Fälscher betätigt.

Wir unsererseits haben bei der aufmerksamen Lektüre dieses bestürzenden Werkes nichts feststellen können, was dem Vorwurf der Fälschung Nahrung gäbe, und auch nichts, das es erlaube, die Diskussion seiner Thesen zu verweigern.

Um auf das Schlußwort des Rechtsanwalt der Nebenklage zurückzukommen: "Man kann die Thesen Herrn Rassiniers diskutieren, man kann sie ablehnen, sie sogar bekämpfen, aber nicht in dieser Art [der von Lecache], wie J.P. Pierre- Blochs es im Matin und jüngst auch, wie wir erleben mußten, im Fernsehen tat.

Diese Behauptungen sind um so ernster zu nehmen, als hier offenbar geradezu eine gezielte Legendenbildung um ihrer selbst willen versucht wird. Denn P. Viansson-Ponte verbreitet in Le Monde vom 3.-4.10.1978, S. 9, die selbe Unwahrheit: "Die LICA hatte 1964 einen dieser Verleumder, Paul Rassinier, verurteilen lassen". Eine Behauptung, die von den Aufsätzen in Le Monde aus dieser Zeit Lügen gestraft wird.

Vor einer Diskussion im einzelnen wollen wir kurz die Tatsache ins Gedächtnis zurückrufen, daß Rassinier ein aktiver Kommunist, und in der Vorkriegszeit das geistige Zentrum des Travailleur de Belfort war, daß er bald mit dem Stalinismus brach und Kontakt mit La Révolution prolétarienne um Monatte, Rosmer und Louzon hatte, ebenso wie mit Kreisen demokratisch gesinnter Kommunisten, mit denen er die Fédération communiste indépendante de l'Est organisierte. Er gründete mit dem Kommandanten Lierre und Georges Bidault die erste spürbar aktive Organisation der Résistance: die Bewegung Libération-Nord, und kümmerte sich speziell um die Hilfsaktionen für die verfolgten Juden. Er gründete die Untergrundzeitschrift La IV. République, die im Londoner Rundfunk und von ~adio Alger erwähnt wurde. Neunzehn Monate lang war er wegen seiner Widerstandstätgkeit in Buchenwald und Dora interniert, danach war er nahezu Vollinvalide (Schädigung zu 95%), er war dann Träger des Ausweises der Résistance, der französischen Verdienstmedaille in Purpur, und des Ehrenzeichens der Résistance; Auszeichnungen, die er nicht trug, wie er in einem seiner Bücher ausführt.

Er war auch Sozialist. Er war fünfzehn Jahre lang Generalsekretär der sozialistischen Fédération der Région Belfort, und sozialistischer Abgeordneter während Legislaturperiode der Nationalversammlung. In den fünfziger Jahren näherte er sich den Pazifisten und Anarchisten an. Nach 1968 sagte uns René Lefeuvre, der Herausgeber der Cahiers Spartacus, er sei ihm wenige Jahre zuvor auf einem der alljährlichen Empfänge von La Révolution prolétarienne begegnet. Er hat ihn als einen von den gegen ihn geführten Angriffen verbitterten Mann geschildert, der sich bewußt war, daß seine Thesen von den Parteigängern der extremen Rechten benutzt wurden. Das hat seine Entschlossenheit gleichwohl nicht wanken lassen. Zu der Zeit, da wir auf seine Bücher aufmerksam wurden, ist es zu keiner Begegnung mit ihm gekommen. Wir haben von seinem Tod erfahren, ohne das genaue Datum angeben zu können.

Wir teilen die Thesen Rassiniers nicht.

Wir meinen, daß diese Kenntnisnahme und Diskussion verdienten. Paul Rassinier mit einem Funktionär des Vichy-Regimes, der für Judenfragen zuständig war, gleichzusetzen, ist nicht hinnehmbar. Jacob Assous, Joseph Benhamou, Hervé Denes, Pierre Guillaume, Christine Martineau, Jean-Luc Redlinski; Jean Barrot, Alain Caillé, und Jean-Pierre Carasso schlossen sich an.

All das hindert den Schreiber vom Dienst nicht, bei nächster Gelegenheit über den erneuten Versuch Faurissons, seine Lehrtätigkeit wieder aufzunehmen, in absolut abschätzigen Worten zu berichten. /43/ Am 21. Februar erscheint in Libération ein Aufsatz, der das Manifest lächerlich zu machen versucht: von "vierunddreißig Geschichtsarbeitern" ist die Rede, von Schlängeltechnik und Phantastereien. Der Schreiberling kann nicht verstehen, worüber man sich aufregt.

Andere, die nicht in diesem linken Sumpf stecken, verstehen es. Vincent Monteil etwa, dieser Widerstandskämpfer der ersten Stunde, ein Anhänger De Gaulles, der viele Sprachen beherrscht und als hervorragender Kenner der islamischen Kultur gilt. Vincent Monteil hat sich immer ein offenes Wort erlaubt: bei der Armee, aus der er verstoßen wurde, ebenso wie gegenüber den Gaullisten, die er zur Zeit der Ben Barka Affäre mit herber Kritik überzog; Vincent Monteil spitzt also die Ohren. Er schreibt am 29.1.1979 einen Brief an Témoignage chrétien, in dem er die Anschuldigungen gegen Faurisson als eine Falle bezeichnet:

Ich kannte Faurisson nicht. Seine Arbeiten über die Deportation aber erscheinen mir größter Aufmerksamkeit wert. Ihn als Antisemiten zu behandeln und ihn mit Rechtsanwalt Ambrej (?) [ein ehemaliger Anhängerin Pétains und Stadtrat von Lyon] zu vergleichen, bedeutet gewiß nicht "dem Recht und der Wahrheit" zu dienen, diese "koste es, was es wolle" zu verteidigen. Alles, was Faurisson verlangt -- und was ich für ihn verlange --, ist, daß er sich äußern, sich erklären darf.

Die Wahrheit muß gesagt werden. Sollten wesentlich weniger Juden von den Nazis umgebracht worden sein (und gewiß nicht sechs Millionen!), sollten diese (wie die anderen Zwangsverschleppten) auf alle mögliche Art ums Leben gekommen sein, und sollte Faurisson mit seiner These vom "Mythos der Gaskammern" letztendlich recht haben, so ändert dies für mich absolut nichts an den von den Nazis und ihren Helfershelfern begangenen Verbrechen. Die "Wiederholung" dieser sehr wirklichen Scheußlichkeiten aber verhindert man nicht durch Lügen, Verdrehung der Tatsachen, Fälschung von Photos und Zahlen.

Ein Rufer in der Wüste. Dafür schlug ein mit "Aus Prinzip" überschriebener Brief Gabriel Cohn-Bendits geradezu wie eine Bombe ein, und bereitete manchem eine schmerzliche Überraschung. Le Monde hatte den Abdruck verweigert; aber er wurde im Verlauf der Gerichtsverhandlung "Faurisson gegen Matin de Paris" verlesen. Dem Zeugnis von Anwesenden zufolge, hat dieser Brief /44/ eine Claque zum Schweigen gebracht, die extra erschienen war, um Faurisson niederzubrüllen:

Aus Prinzip

Gabriel Cohn-Bendit

Einst haben sich die Antisemiten allen von Juden stammenden oder sich mit ihnen befassenden Zeugnissen und Untersuchungen verweigert, und erklärten alles in diese Richtung gehende als Ausverkauf an die Juden (man denke nur an die Dreyfusaffaire). Heute aber werden wir Zeuge des gegenteiligen Vorgangs: jeder Jude, überhaupt alle, selbst auf der Linken und auf der äußersten Linken, weigern sich, Zeugnisse und historische Arbeiten -- ungeachtet deren Inhalts -- zur Kenntnis zu nehmen, wenn diese von einem Antisemiten stammen. Was schon schlimm genug ist. Aber es kommt noch schlimmer: jeder Arbeit zu einer wichtigen, die Konzentrationslager betreffenden Frage, die von der gewissermaßen offiziell anerkannten Wahrheit abweicht, wird ein antisemitischer Inhalt zugeschrieben. So etwas ist nicht hinnehmbar.

Als auf der äußersten Linken stehender Jude, als Anarchist, halte ich es für angebracht, auf ein paar Grundsätze zurückzukommen, die mir heute um so teurer sind, als viele andere, an die ich während dieser zwanzig Jahre geglaubt, und die mir abhanden kamen (der Weg, den ich von einem jungen Kommunisten ging, der gegen 1956 protestierte, führte über den Trotzkismus, den Linksradikalismus zu einer Auffassung, die die persönliche Freiheit über alles stellt -- wobei auf jeder dieser Etappen ein größere Dosis Skeptizismus aufgenommen wurde). Von allen diesen Prinzipien läßt sich eines in einem einzigen Satz ausdrücken: Die Meinungsfreiheit, d. h. die Freiheit mündlicher oder schriftlicher Äußerung, die Freiheit, sich zu versammeln, sich zu vereinigen, ist ohne die gerinste Einschränkung zu gewähren. Woraus folgt, daß auch die in meinen Augen abscheulichsten Texte verbreitet werden dürfen, daß auch nicht ein einziges Buch verboten wird, sei es Mein Kampf oder morgen vielleicht ein Text von Stalin oder eine Dummheit von Mao; daß eine jede Versammlung, auch die der äußersten Rechten, stattfinden kann, daß auch alle offen faschistischen und rassistischen Broschüren und Flugblätter verbreitet werden dürfen. Was keineswegs heißen muß, zu schweigen oder tatenlos zuzusehen; haben die Faschisten einerseits das Recht, ihre Pamphlete zu verteilen, so wird man sich schlagen dürfen, notfalls auch im wörtlichen Sinne, auf daß die von der [als rechtsextrem geltenden - d.Ü.] Fakultät von Assas ihr Monopol verlieren. Die einzig wirksame Art, die Feinde der Freiheit zu bekämpfen, besteht darin, diesen die Freiheit, die wir für uns fordern, zu gewähren, und zu kämpfen, wollen diese uns die Freiheit streitig machen. Das berühmte "Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit!" gehört in Wahrheit zur Grundausstattung aller totalitären Systeme, und ist keineswegs -- wie man geglaubt hatte -- ein Schutzwall gegen diese.

Nicht die kleinste Legende, nicht die geringste Lüge

Wer also die Existenz der Konzentrationslagern und den Völkermord leugnet, möge es tun! Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, daß diese Lüge nicht geglaubt werde. Schließlich hat es Jahre gebraucht, bis die Linke den Mut fand, die Lügen der Kommunisten in Bezug auf die Lager in der UdSSR zurückzuweisen! Wer hätte das 1948 gewagt, abgesehen von ein paar versprengten Linksradikalen, ein paar Liberalen und den Rechten? Wenn wir auch in den Augen zukünftiger Generationen glaubwürdig sein wollen, und um so mehr, da die Zeit vergeht, sollten wir uns nicht die winzigste Legende, nicht die geringste Lüge, den kleinsten Fehler unterkommen lassen. Setzen wir uns energisch dafür ein, daß jene Gaskammern zerstört werden, die man den Touristen in Lagern zeigt, von denen man heute weiß, daß es dort keine gab, auf die Gefahr hin, daß man uns auch das nicht mehr glaubt, dessen wir sicher sind. Die Nazis unterhielten Musterlager, um diese den guten Seelen vom Roten Kreuz vorzuzeigen; wir sollten jetzt nicht das Umgekehrte tun.

An der Diskussion um die Frage, ob es Gaskammern gab oder nicht, will ich mich an dieser Stelle nicht beteiligen.

Falls es welche gab, in welchem Lager genau bitte? Dienten diese als Instrument planmäßig-systematischen Mordens, oder eher zufällig-zusätzlichem Massaker. Ich kann jedenfalls, wenn diese Fragen auch nicht ohne Bedeutung sind, die Geisteshaltung nicht nachvollziehen, nach welcher, ziehe man auch nur einen Teil dessen oder sogar all das vom System der Konzentrationslager ab, dann alles in sich zusammenfalle.

Hören die Nazis damit auf, etwas Schreckliches zu sein? Wären sie damit gerechtfertigt? Sind die Gaskammern das Fürchterliche, und nicht die Millionen Toten? Ohne Gas kein Schrecken, nur ernste Abweichungen von der Gesetzlichkeit, wie unsere Stalinisten vom Dienst behaupten?

Dasselbe Problem, will man über die Zahl der jüdischen Opfer sprechen. Die Schwierigkeiten bei der Bestimmung einer Zahl, mag derartiges allein unsere Sensibilität bereits überfordern oder nicht, ist jedem Historiker bekannt und macht eine jede Zahl angreifbar; von daher verstehe ich noch weniger, warum man hier auf einer bestimmten Barriere besteht, jenseits derer man befürchte, daß dann alles annehmbar erscheine und somit den Nazis in die Hände gespielt werde.

Eine absurde Logik

Man kann, wenn man in dieser Zeit gelebt hat, und einen Teil seiner Familie verschwinden sah, die Diskussion über die Art der Vernichtung und über die Zahl der Opfer ablehnen. Der Geschichtsschreiber aber kann das Problem nicht abschaffen. Das Ergebnis, zu dem eine gewisse Zahl von Historikern in dieser Sache gekommen sind (in Le Monde vom 21.2.1979) finde ich geradezu ungeheuerlich: "Es geht nicht um die Frage, wie ein solcher Massenmord technisch möglich war. Er war technisch möglich, denn er hat stattgefunden. Von diesem Punkt müssen alle Forschungen zu diesem Gegenstand ausgehen. An uns ist es, diese Wahrheit schlicht in Erinnerung zu rufen: zur Frage der Existenz der Gaskammern gibt es keine Diskussion und kann es keine geben."

Ungeachtet des Respektes, den ich für die Geschichtsschreiber hege, die diese Erklärung unterzeichneten, und von denen einige nicht unwesentlich zur Herausbildung der Positionen, die ich heute vertrete, beigetragen haben, frage ich mich: "Was ist das für eine absurde Logik?" Gerade weil ein solcher Massenmord stattgefunden hat, was weder von Rassinier noch von Faurisson bestritten wird, muß man sich doch fragen, wie er, auch von der technischen Seite her, stattfinden konnte. Nur diejenigen, die den Völkermord leugnen, haben logischerweise keinen Grund, sich die Frage nach dem Wie zu stellen.

Es würde zu weit gehen, und wäre doch absolut notwendig, sich all das, was in den vergangenen dreißig Jahren mit dem Kampf gegen den Faschismus gerechtfertigt wurde, noch einmal anzusehen, angefangen beim sanft entschlafenen Stalinismus: die Millionen ums Leben gekommener Juden beispielsweise werden ständig zur Abwehr aller Kritik am Staate Israel benutzt.

Was mich betrifft, so ziehe ich es vor, ihr Andenken durch unablässigen Kampf für die Freiheitsrechte zu bewahren, der jeden Versuch neuerlicher Hexenjagden, der alle Verfolgung von Minderheiten, Gruppen und Einzelpersonen, die anders denken und handeln als ich, im Keime erstickt. Und ich werde nicht zulassen, daß das, was ich niemandem antun würde -- nicht einmal den Neonazis --, Leuten wie Rassinier oder Faurisson angetan wird, von denen ich weiß, daß sie mit ersteren nichts zu tun haben; der gegen Faurisson angestrengte Prozeß ähnelt weit mehr den Verfahren der Inquisition als einem Kampf gegen die Wiederkehr des Bösen.

Zwei Tage später geht ein weiterer Brief ein. Absender ist Pierre Guillaume, ein ehemaliges Mitglied der Gruppe Sozialismus oder Barbarei, der später über viele Jahre "La Vieille Taupe", eine kleine, ebenso berühmte wie berüchtigte Buchhandlung betrieb/45/:

 

Was wissen die Franzosen über die Massaker von Sétif?


Pierre Guillaume

Der Fernsehfilm Holocaust ist ein Verbrechen gegen die historische Wahrheit. Ungeachtet des guten Willens und des Eifers der Macher, bedeutet dieser Film einen verbrecherischen Angriff auf das Gedenken an die Opfer, an die Opfer der Grausamkeiten aller Kriege.

Millionen Juden sind Opfer grausamer Verfolgungen geworden, und zwar nur aufgrund der Tatsache, daß sie Juden waren. Hunderttausende Amerikaner wurden in den USA verfolgt und interniert, weil sie japanischer Abstammung waren. Millionen Deutsche sind gestorben, weil sie Deutsche waren; Millionen Russen, Polen, Ukrainer sind gestorben, weil sie Russen, Polen, Ukrainer waren.

Krieg, das bedeutet immer Leute umbringen, nur weil sie... zum anderen Lager gehören. Und stets werden die besten Gründe der Welt gefunden, derartiges zu rechtfertigen. Dafür gibt es die Kriegspropaganda, die stets einer Selbstvergiftung in großem Umfang gleichkommt.

Die Juden befanden sich allein deswegen in einer besonders scheußlichen Lage, weil ihre transnationale Gemeinde in Konflikt mit dem Hypernationalismus, zu dem es in Deutschland kam, geriet, und auch weil ihre Kultur sie gegen die totalitäre Logik Widerstand leisten ließ, wenn sie auch in ihrer Mehrheit in die deutsche Gesellschaft vollkommen integriert waren.

Die Deportation einer unbequemen Minderheit ohne Ansehen der Person ist kein Einzelfall in der Geschichte. Die in Vietnam lebende chinesische Minderheit etwa ereilte dieses Schicksal. Die einen oder anderen machen es sich bequem und meinen, es habe sich um Angehörige der Bourgeoisie gehandelt... Welch Wunder vollbringt doch die Ideologie!

Ist den Franzosen bekannt, daß Eichmann, als er das Lager Gurs in den Pyreneen besuchte, von den Bedingungen, unter denen die Juden dort leben mußten, entsetzt war? Wissen sie, daß die aus Spanien geflüchteten Republikaner, in diesem von der Regierung Daladier zu deren Aufnahme geschaffenen Lager, die gleichen Bedingungen kennengelernt haben, wie sie in den deutschen Lagern herrschten? Sie sind aus den nämlichen unerklärlichen und "unabsichtlichen" Gründen an Hunger und Kälte gestorben.

Die Geschichtswissenschaft hat bislang den Nachweis, daß Hitler die Hinrichtung auch nur eines einzigen Juden, allein, weil dieser Jude gewesen sei, angeordnet habe, nicht erbracht.

Ebenso hat Churchill, als er die militärisch sinnlose Bombardierung Dresdens befahl, nicht die "Hinrichtung eines einzigen Deutschen, nur weil er Deutscher war" befohlen.

Was wissen die Franzosen über das Massaker von Sétif am 8.5.1945, und von der Unterdrückung auf Madagaskar? Nicht mehr und nicht weniger als die Deutschen von Auschwitz wußten. Sind sie als Kollektiv schuldig? Nicht mehr, und nicht weniger.

Die krankhafte Manipulation des schlechten Gewissens führt zu nichts, es sei denn zu neuen Kreuzzügen.

Die Kriegspropaganda der Nazis konnte von den Feinden Deutschlands begangenen Verbrechen ebenso manipulativ Gebrauch machen, wie die Alliierten dies mit den von den Deutschen verübten Grausamkeiten vermochte. Weder die eine noch die andere Seite hat sich diese Gelegenheit entgehen lassen. Die Herstellung übertriebener Schreckensbilder des Feindes gehört zum Arsenal des "Volkskrieges". Der Antifaschismus ohne Faschisten, der die Welt regiert, ist der Eiterableiter einer orientierungslosen Gesellschaft geworden, die ihre wirklichen Probleme nicht in den Griff bekommt.

Man bekämpft die unerbittlichen Mechanismen wirklicher Unterdrückung nicht mit Comic-Bildchen. Sado-Maso-Phantasien dürften sich zum Verständnis der wirklichen Mechanismen als ungeeignet erweisen... wenn man von der Serie "Holocaust" absieht, mit welcher der grobschlächtige Griff einer heiligen Familie von Produzenten des anerkannten Bewußtseins nach der Meinungsmacht sichtbar wird.

Womit klargestellt wäre, was die richtige Meinung ist!

Schaut Euch nur an, wohin es führt, wenn Ihr unsere Lektionen nicht hören wollt!

Diese Instrumentalisierung des Scheußlichen stumpft den empfindlichen Zuschauer ab, umgibt diesen mit einem Panzer der Gleichgültigkeit, welche der beste Verbündete aller Arten von Totalitarismen ist.

Darauf mit einem "Das ist doch Schnee von gestern!", oder mit "Hitler? - Kenn' ich nicht!" zu reagieren, ist geradezu gesund.

Das einzige dauerhafte Ergebnis der Sendung von "Holocaust" ist jenes aller psychologischen Kriegsführung:

All jene, die an sehr konkreten Unterdrückungsaktionen beteiligt sind, davon zu überzeugen, daß das, was sie tun, derart geringfügig ist im Vergleich zu dem legendären Feind "Nazis", daß es vernachlässigt werden kann. Die Absichten und feinsinnigen Erörterungen der "Holocaust"-Aktivisten ändern daran nichts.

Wissen die Franzosen, mit welche barbarischer Härte am 17.10.1961 in Paris und Umgebung die Proteste der "Franzosen nordafrikanischer Abstammung" gegen den Waffenstillstand unterdrückt wurden?

Was wissen die Franzosen von den Bedingungen, unter denen hunderttausende in die Lager gebrachte Algerier aller Altersstufen leben mußten, und davon, was aus diesen geworden wäre, wenn Frankreich in einen totalen Krieg hineingezogen worden wäre, in welchem die Existenz der Nation auf dem Spiel gestanden hätte? Dies war nicht der Fall; die französische Bourgeoisie und deren Staat haben Frieden geschlossen, ohne daß der "Lebens"-Standard der Franzosen ernsthaft beeinträchtigt wurde. Trotzdem hat, unter diesen vergleichsweise günstigen Bedingungen, Alex Moscovitch in der Stadtverordnetenversammlung erklärt: "Fünf Millionen Franzosen können von heute auf morgen -- als eine Folge von Umständen, die sie weder gewollt, noch zu verantworten haben -- ihr Leben, ihr Hab und Gut bedroht sehen." Diese Bedrohung aus der Welt zu schaffen, wußte Moscovitch eine radikale Lösung: "Alle Agenten des Feindes müssen vom Gebiet des Mutterlandes entfernt werden. Seit zwei Jahren verlangen wir das nun schon. Dabei wäre es sehr einfach: alles was wir dazu brauchen, sind die Bevollmächtigung und ausreichend Schiffe. Leider ist die Stadtverordnetenversammlung von Paris nicht in der Lage, die Schiffe untergehen zu lassen." (a)

Jeder beliebige französische Soldat glaubt, nachdem er Holocaust gesehen hat -- selbst wenn er beim "Affenschaukeln" dabeigewesen war --, daß er etwas ganz anderes sei als die Nazis. Er unterscheidet sich aber lediglich von diesem Bild, das man von den Nazis zeichnet, und insofern, als auch die Nazis sich davon unterscheiden. Auf alle Fälle wird er sich sagen: "Wir hatten jedenfalls keine Gaskammer".

Indes sind im Gebiet Oran hunderte von Algeriern in Weinkeller eingesperrt wurden und an den entstehenden Kohlenoxiden erstickt. War das denjenigen, die sie auf diesem kleinen Raum einsperrten, bewußt? Haben sie denn von dem Todeskampf der Unglücklichen nichts bemerken können?

Man hat nicht versucht, es herauszubekommen. Die Untersuchung wurde nur in groben Zügen durchgeführt und gestattete keine Schlußfolgerung. Wenn es aber Deutsche gewesen wären, und noch dazu um Nazis, hätte niemand auch nur eine Sekunde an deren Schuld gezweifelt.

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(a) Bulletin municipal officiel de Paris. Bericht über die Tagung der Stadtverordnetenversammlung von Paris vom 27.10.1961, S. 637. Es handelt sich um eine wohldurchdachte Rede. Herr Moscovitch sollte auf diese Ausführungen am 15.1.1963, anläßlich eines von ihm selbst angestrengten Prozesses wegen Beleidigung, zurückkommen:"Ich habe es in der Tat bedauert, daß die Feinde Frankreichs nicht vernichtet wurden... und ich bedaure es heute noch." (Le Monde vom 17.1.1963) Zitiert nach dem bemerkenswerten, mutigen Buch von Pierre Vidal-Naquet: La Torture dans la République.

 

Es folgt die unvermeidliche Antwort jener Sorte Mensch, die annimmt, man habe sich in der Adresse geirrt, und statt für Libération für Minute [eine rechtsorientierte Zeitschrift - d.Ü.] schreiben wollen /46/:

Da hat man also leider wieder einmal bei Libération den Geist aus der Flasche gelassen, und gestern auf der Forum- Seite einen Text in Sachen "Holocaust" herausgebracht, der vor Antisemitismus nur so trieft. Es ist des Autoren, P. Guillaumes, Recht, ein Antisemit zu sein, unbewußt oder nicht. Aber es ist unser Recht, und es sollte unsere Pflicht sein, derartiges nicht zu veröffentlichen. Zudem der Autor selbst Chef des Verlages La Vieille Taupe ist, in welchem insbesondere die Cahiers Spartacus erscheinen, und er daher seine "Meinung" bei sich selbst veröffentlichen kann. Der Meinungsfreiheit wird im übrigen, falls man etwas nicht veröffentlicht, keinerlei Abbruch getan. Diese berühmte Meinungs- und Redefreiheit kann den Blick auf die Tatsache nicht verstellen, daß sich bei Libération solch ein Unfall nicht zum ersten Mal ereignet. Immer wieder tauchen antisemitische Ladenhüter auf, die sich nur notdürftig hinter nonkonformistischen Argumenten verbergen. Hier geht es nicht nur um Fragen des Inhalts, es geht um den Ton. Da war die Affaire Flatto Sharon: antisemitischen Thesen ein Forum zu bieten, war nicht beabsichtigt, die Tonlage aber war antisemitisch. Schließlich die Geschichte VXZ 375: die Neuen Philosophen wurden hier ausschließlich unter den Gesichtspunkt behandelt, Juden oder Homosexuelle zu sein. Und noch heute, in eben der Ausgabe der Zeitung, die Sie in der Hand halten, kommentiert Guy Hocquengheim die Diskussion in solch lässiger, nachlässiger Weise, daß man, was immer man über die Diskussion auch denken möge, ein ungutes Gefühl dabei bekommt: es gibt Fälle, wo der Antisemitismus nicht ausgesprochen wird, mehr im Unterton mitschwingt, und mit solch einem haben wir es hier zu tun. Mit dem gestrigen Text "Was wissen die Franzosen über das Massaker von Sétif?" aber ist man entschieden zu weit gegangen. Ebenso kann ich, der ich mit Antisemiten nichts zu tun und nichts zu bereden habe, dann nicht erkennen, was Libération, meine Zeitung, mit ihnen zu verhandeln und zu besprechen habe. Minute mag sich um sie kümmern; das geht uns dann nichts mehr an.

In dem eben zitierten, in der gestrigen Libération unter dem Titel "Was wissen die Franzosen über das Massaker von Sétif?" veröffentlichten Aufsatz, sind zwei Dinge von Interesse. Da ist zum einen das altbekannte antisemitische Argument, daß die Juden nicht die einzigen wären, und uns, indem sie immerfort den ersten Platz in der "Hitparade des Schreckens" reklamierten, auf den Senkel gingen, wie Guy Hocquengheim es so ehrvergessen ausdrückt. Man kann über das Argument diskutieren, und es ist im übrigen im Fernsehen diskutiert worden. Die breite, allgemeine Aufarbeitung des Schreckens wird verdächtig, wenn dazu aufgerufen wird, Eulen nach Athen zu tragen: dann ist etwas anderes, das kann nur auf die Juden zielen. Wenn man daraus einen Allerweltsfall, die Vielfalt des Schreckens auf der Bühne der Welt beklagt, wie Pierre Guillaume schreibt, die "Deportation einer unbequemen Minderheit ohne Ansehen der Person ist kein Einzelfall in der Geschichte", um an die Algerier von Sétif, die Deutschen in Dresden und an die republikanischen Spanier zu erinnern, so besteht das Ziel nicht darin, das alles zur Diskussion zu stellen, sondern den Juden das Maul zu stopfen. Denn unter der Feder dieser Art von Autoren, wird - falls die Juden es aufmachen - alles sofort zu "Propaganda", einer schon klassisch gewordenen Verbindung entsprechend: Juden/Propaganda: "Die krankhafte Manipulation des schlechten Gewissens führt zu nichts, es sei denn zu neuen Kreuzzügen." Die Sache steht fest: es handelt sich um "Manipulation". Das alles ist noch nichts als Meinung. Liest man den Text aber genauer, so entdeckt man, daß er auch eine Aussage zur Geschichte enthält: "Die Geschichtswissenschaft hat bislang den Nachweis, daß Hitler die Hinrichtung auch nur eines einzigen Juden, allein, weil dieser Jude gewesen sei, angeordnet habe, nicht erbracht." Nicht nur, daß es andere gab, die vernichtet wurden, zusätzlich sind die Juden nicht vernichtet worden, "weil diese Juden gewesen seien". Mit dieser Geschicklichkeit läßt sich ein Faß ohne Boden füllen: bald werden wir zu hören bekommen, daß die Juden keineswegs vernichtet wurden. Mit P. Guillaume gibt es nichts zu diskutieren: hier geht es in Wahrheit nicht um "freie Meinungsäußerung". Hier geht es um Überzeugungen, Behauptungen, die noch dazu ganz offenbar falsch sind. Man kann über die Vernichtung der Juden und der Zigeuner denken was man will. Aber man sollte nicht glauben zu machen versuchen, wie Faurisson es tut, es habe keine Vernichtung gegeben, oder wie dieser P. Guillaume, sie habe vielleicht nicht stattgefunden (er spricht nur von der Deportation), und, falls sie stattgefunden habe, so nicht nach den Kriterien "Juden" oder "Zigeuner". Es gibt keinerlei Grund für ~Libération, solch eine Fälschung in die Öffentlichkeit zu bringen. Es gibt im Gegenteil, ich habe dies weiter oben ausgeführt, viele gute Gründe, so etwas nicht zu veröffentlichen. Die Rede- und Meinungsfreiheit bedeutet nicht, daß man alles und jedes sagen kann, jedenfalls nicht in unserer Zeitung.

ANMERKUNGEN

27. Le Nouvel Observateur, Nr. 750, vom 26.3.1979.

28. Le Nouvel Observateur, Nr. 752. vom 9.4.1979, S. 31.

29. Le Nouvel Observateur, ebenda, S. 31 und 32.

30. Le Nouvel Observateur, Nr. 756, vom 7.5.1979. "Das letzte Wort von Robert Faurisson". C. Martin ließ in der darauffolgenden Woche wissen, daß er nicht beabsichtige, nochmals darauf zu antworten.

31. "Zu einer Zeit, da der Rassismus zu einer alltäglichen Erscheinung wird, und der Präsident der Republik auf dem Grab des ehemaligen Marschalls Pétain Blumen niederlegt, müssen die Behauptungen von Faurisson und seinesgleichen öffentlich diskutiert werden. Die Frage ist jedenfalls zu ernst, als daß wir uns eine solche Suspendierung auf die Schnelle, die zu einer Unterdrückung der Diskussion führt, und Faurisson zum Sündenbock stempelt, leisten könnten. Trotz allem sind wir noch so naiv zu glauben, die Universität solle ein Ort kritischer Diskussion sein. Aus diesem Grund, und auch weil, in einem umfassenderen Sinn betrachtet, diese Methoden nur zu einer Unterminierung der Demokratie und zu einer Stärkung des Rassismus führen, wenden wir uns gegen administrative Willkür, selbst wenn sie gegen Faurisson gerichtet ist." Le Monde, 2.12.1978.

32. Vergl. L'Humanité vom 17. und 21.11.1978. In Osteuroa hat, wie es aussieht, einzig die Warschauer Tageszeitung Zycie Warszawy der Affaire Faurisson Anfang Januar einen Aufsatz gewidmet.

33. France-Soir vom 25.11.1978. Er meint offenbar, in die Gaskammer hätten fünf Menschen hineingepaßt.

34. Le Monde vom 18.11.1978. Indem Sudreau von einer "wahrhaftigen Apologie" spricht, verrät er das Unbehagen, das ihm diese Behauptung bereitete, die durch nichts gedeckt wird, nicht einmal durch die (entstellte) Wiedergabe der Worte Faurissons im den Matin.

35. France-Soir vom 19./20.11. 1978 zufolge meint sie weiterhin: "Ich bitte die Präsidenten der Universitäten, im Rahmen der Rechte und der Verantwortung, die ihnen das Rahmengesetz zuweist, und eingedenk der humanistischen Tradition universitärer Freiheit, diesen Bekundungen des Totalitarismus und des Rassismus ein Ende zu setzen." Womit Faurisson u.a. zu einer Begründung von Maßnahmen gegen die Kommunisten geworden sein dürfte. Wofür er doch manchmal gut ist, der Humanismus.

36. "La bonne conscience" in Le Matin de Paris vom 22.11.1978.

37. Le Journal - Quotidien Rhone-Alpes, 24.5.1979. Man stelle sich einmal vor, diese Dame käme an die Macht...

38. Siehe den Brief des Herausgebers in L'Humanité vom 18.5.1979. Wieso entdeckt Andrieu diese Geschichte vom 22.12. erst mit derartiger Verzögerung, am 10.6., drei Wochen vor der Europawahl?

39. "La liberté d'eßpression des racistes", ("Die Redefreiheit der Rassisten"), Libération, vom 24.11.1978.

40. "Antisémitisme, vous avez dit antisémitisme", vom 9./10.12. 1978. Siehe auch den Brief eines Schülers vom 13.3.1979.

41. In Libération vom 18./19.11.1978 beispielsweise. "Erstaunlich! Erstaunlich!", meint Bernard Schalscha, dem die Schuppen von den Augen gefallen sein müßten. Leider hat er keine Augen.

42. Libération, 22.1.1979.

43. Der Bericht trägt einen deutschen Titel: "Kulturkampf", (vom 10.1.1979).

44. 5.3.1979.

45. 7.3.1979. Unter den Blinden ist der Einäugige K"nig.

46. Libération vom 8.3.1979.


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Zweiter Teil, Kapitel 4, Teil 1, "Der Unterrricht als Trauerspiel" von Historische Warheit oder Politische Wahrheit ? Die Macht der Medien : Der Fall Faurisson, Berlin, 1994, Verlag der Freunde, Postfach 350264, 10211 Berlin, S. 5-21. Übertragung aus Französisch von Andreas Wolkenpfosten. ISBN 3-9803896-0-X. Es ist besser das Buch von den Verlag zu kaufen.

Originalausgabe : Serge Thion, Vérité historique ou vérité politique, Paris, La Vieille Taupe, 1980.

Diesen Text stellt Ihnen AAARGH in 1996 für die wissenschaftliche Forschung, zu Bildungszwecken und verwandten Anwendungen zur Verfügung. AAARGH Internattionale Büro (Vereinigung langjähriger Konsumenten von Berichten über den Krieg und den Holokaust) ist per eMail zu erreichen unter aaarghinternational-hotmail.com". Durch Post kann man uns auch schreiben: PO Box 81475, Chicago, IL 60681-0475, USA. Post: PO Box 81475, Chicago, IL 60681-0475, USA.
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ARTIKEL 19 der Menschenrechte: <Jederman hat das Recht auf Freiheit der Meinung und der Meinungsäußerung; dieses Recht umfaßt die unbehinderte Meinungsfreiheit und die Freiheit, ohne Rücksicht auf Staatsgrenzen Informationen und Gedankengut durch Mittel jeder Art sich zu beschaffen, zu empfangen und weiterzugeben.>
Vereinigten Nationen, 10 Dezember 1948.



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